Draussenlust.de • Wandern, Radfahren, Freisein.

Fahrrad fahren auf dem Ostseeradweg: Von Lübeck nach Wismar

Diese wunderbare Tour führt uns von Lübeck nach Travemünde an die Lübecker Bucht, wo wir auf den Ostseeradweg einschwenken. Mit Wind im Rücken, geht es durch eine oft menschenleere Küstenlandschaft und entlang einsamer Strände über Boltenhagen bis in die Hansestadt Wismar. Fahrrad fahren an der Ostsee – auf geht´s!

Fahrrad fahren auf dem Ostseeradweg: Steilküste am Ufer der Ostsee bei Boltenhagen

Fahrrad fahren auf dem Ostseeradweg: Steilküste am Ufer der Ostsee bei Boltenhagen

Zur Übersichtskarte dieser Tour »

Lübeck, die alte Hansestadt mit ihrem wunderschön erhaltenen, historischen Zentrum, eingerahmt von den Flüssen Trave und Wakenitz, ist Ausgangspunkt unserer Fahrradtour in Richtung Ostsee und Ostseeradweg. Von der Innenstadt geht es in Richtung Nordosten hinaus auf die „Travemünder Allee“, die neben der Fahrbahn einen komfortablen Radweg bietet. Unser erstes Ziel ist der mautpflichtige „Herrentunnel“, der unter der Trave hindurchführt und unseren Weg nach Travemünde deutlich verkürzt.

Mautpflichtig ist der Tunnel allerdings nur für Pkw, nicht für Fahrradfahrer wie uns. Dafür dürfen wir diesen nicht selbst durchfahren, sondern müssen den kostenlosen (!) Bus-Shuttle nutzen, um auf die nördliche Seite der Trave zu gelangen. Dazu fahren wir bis etwa 300 m hinter die Pkw-Mautstation zur dortigen Haltestelle des Bus-Shuttle. Das Shuttle verkehrt an den meisten Tagen im regelmäßigen Takt und bietet viel Platz für Fahrräder, Gepäck und Radler – im Zweifel kommt das Fahrrad auf den Anhänger! Der eigentliche Transport dauert keine 5 min und wir steigen auf der anderen Seite der Trave (Lübeck-Siems) schon wieder aufs Rad mit Ziel Travemünde.

Ostseeradweg 1: Fahrrad fahren von Lübeck nach Wismar

Parallel zur Hauptstraße (B75, später Travemünder Landstraße) radeln wir durch Lübecks Vororte, kurz wird die Besiedlung dünner, bis wir hinter Ivendorf und über die Ivendorfer Landstraße Travemünde erreichen. An der Kreuzung mit dem „Teutendorfer Weg“ schwenken wir in Richtung Osten ein und erreichen wenig später das alte Ortszentrum von Travemünde. Hinter der kleinen St.-Lorenz-Kirche biegen wir nach rechts ab und gelangen so auf die Travepromenade und an den Hafen.

Travemünde ist übrigens kein eigenständiger Ort, sondern ein Stadtteil von Lübeck und liegt, wie der Name schon sagt, an der Mündung der Trave in die Ostsee. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts schon ist Travemünde auch ein Seebad.

Kennzeichnend für den Ort ist heute der rege Schiffsbetrieb auf der Trave. So fahren von Travemünde nicht nur regelmäßig Ostseefähren u.a. nach Schweden oder Dänemark, sondern auch jede Menge Ausflugsschiffe in Richtung Lübeck oder Ostsee und natürlich private Segelboote. Freunde der maritimen Wirtschaft kommen in Travemünde also voll auf ihre Kosten! Wie zum Beweis, liegt am hinteren Ende des Hafens ganz präsent (und fest) die alte Viermasterbark „Passat“, die man im Rahmen von Ausstellungen oder Veranstaltungen auch besichtigen kann.

Um nun auf den Ostseeradweg in Richtung Osten zu gelangen, müssen wir die Trave überqueren. Wenn die Personenfähre ganz am Nord-Ende der Trave und des Hafens denn gerade die Fahrradmitnahme erlaubt (in meinem Fall tat sie das nicht, siehe Fotos), nehmen wir diese und setzen auf die Ostseite des Flusses, auf den sog. „Priwall“ über. Eine Alternative ist die Pkw-Fähre, ca. 600 m südlich der Anlegestelle der Personenfähre.

Der Priwall liegt auf der Ostseite der Trave – dort führt der Ostseeradweg weiter ostwärts

Logo des Ostsee-Küsten-Radwegs

Auf dem Priwall nimmt der Touristen-Trubel dann ab und wir schwenken (auf dem „Dünenweg“, später „Seeweg“) endlich ostwärts auf den eigentlichen Ostseeradweg ein. Von nun an folgen wir dem offiziellen Logo des Fernradweges, das an jedem Fahrradwegweiser zu finden ist.

Schon wenig später erreichen wir die flache Küstenlandschaft aus Feldern und Wiesen zur rechten sowie einem bewaldeten Streifen und dem Strand zur linken Seite des Radweges. Für die nächsten ca. 30 km radeln wir in Rufweite der Ostsee in Richtung Boltenhagen. Mal flach geradeaus, mal etwas beschwerlicher über Hügel und Täler. Dabei wird die Küste links von uns nicht nur immer steiler und schroffer, sondern der sich davor verbergende Strand auch „wilder“ und naturnaher.

Man sollte die Vorzüge des Fahrrad fahrens auf dieser Tour nutzen, denn wir erreichen per Fahrrad hier einsame Küstenabschnitte, die kaum ein Autofahrer oder Fußgänger je erreichen wird – obwohl, schön gewandert bin ich hier auch schon ;). Nur wenige Fuß- und noch weniger befahrbare Wege führen zu dieser wunderschönen Küste, die zudem auch im Hinterland noch sehr dünn besiedelt ist. Das liegt u.a. daran, dass dieses Gebiet, bis zur politischen Wende 1989, zur DDR-Seite der innerdeutschen Grenze und damit zu einem per se sehr abgeriegelten und dünn besiedelten Territorium gehörte. Einige Stelen am Wegesrand informieren darüber.

Dieses „Grüne Band Deutschland“ zieht sich heute entlang der gesamten, ehemaligen Grenze entlang. Es lohnt sich also, an einsamen Abschnitten das Fahrrad mal abzustellen und den tollen Naturstrand zu besuchen – i.d.R. wird man dort allein sein und ungestört sinnieren oder baden können 😉 Allerdings ist der vordere Strandbereich – vor allem in Richtung Boltenhagen – sehr steinig…wen stört´s.

Die Steilküste der Ostsee bei Boltenhagen ist traumhaft schön

Kurz vor Boltenhagen wird die Steilküste dann schnell höher und schroffer und der offizielle Ostseeradweg zweigt gut befahrbar am Parkplatz Steinbeck nach rechts ab. Wer etwas wagemutiger ist (Trekkingräder, Moutainbiker), nimmt den einspurigen Sandweg direkt entlang der Steilküste, was etwas mühsamer, dafür aber wesentlich spektakulärer ist.

Denn hier werden wir belohnt mit einmaligen Ausblicken über die Küstenlandschaft, die Boltenhagener Bucht und die Weite der Ostsee. Unter uns liegt in etwa 25 m Tiefe der wilde Ostseestrand, ein toller Ort für eine kurze Pause hier oben. Etwas Abstand vom Cliff sollten wir allerdings einhalten, drohen doch immer auch Abbrüche des Steilufers!

Weiter geradeaus geht es allmählich hinab in Richtung Boltenhagen und wenig später erreichen wir schone die Strandpromenade des langgestreckten und beliebten Ostseebads. Badebetrieb gibt es in Boltenhagen schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Der Ort nimmt für sich in Anspruch, das zweitälteste Seebad Mecklenburgs zu sein. Der kilometerlange, feine und vor allem flache Sandstrand ist ein Grund dafür. Heute gibt es hier jede Menge touristische Infrastruktur, Supermärkte und einige Kurkliniken. Ideal für eine Rast bei Eis und Alsterwasser!

Um unsere Fahrradtour fortzusetzen, folgen wir der Strandpromenade ostwärts bis ganz an ihr Ende, halten uns dann rechts und radeln vorbei an der „Weißen Wiek“, Boltenhagens Marina, mit Ziel Tarnewitz. In der dortigen Ortsmitte biegt der Radweg nach links ab und wir schlagen nun einen südlichen Kurs ein. Kurz darauf treffen wir auf eine Straße, die wir überqueren, um anschließend dem dortigen Feldweg weiter südwärts zu folgen. Nächstes Ziel ist das Dörfchen Wohlenberg, hinter dem wir wieder in unmittelbare Nähe der Ostsee gelangen. Vorbei an einem Sumpfgebiet zur Rechten und mehreren Campingplätzen, gilt es nun in Richtung Wismar eine Landzunge zu durchradeln.

Große Teile der Altstadt von Wismar gehören zum UNESCO-Welterbe

Über kleine Orte wie Beckerwitz, Eggerstorf und Zierow gelangen wir an die Ostseite der Landzunge und anschließend bei Hoben an das dortige Ufer der „Eggerswiek“, die schon Teil der „Wismarer Bucht“ ist. Hier hat man eine tolle Sicht über die meist ruhige, flache Bucht bis hinüber zur Insel Poel.

Ufernah und sehr gut ausgebaut, führt der Ostseeradweg nun weiter in ein kleines Waldgebiet hinein und bis an den Nordwestrand der Hansestadt Wismar. Gegenüber der dortigen Seebrücke halten wir uns rechts und folgen anschließend der Ernst-Scheel-Straße bzw. dem ausgeschilderten Radweg südwärts in Richtung Zentrum. Links taucht bald die riesige Halle der Wismarer Werft auf, die heute einem malaysischen Unternehmer gehört. Hier werden heute – im Verbund mit den Werften in Rostock und Stralsund – Kreuzfahrtschiffe gebaut. Die sollen dann im asiatischen Raum mal Touristen über die Meere schippern!

Bald erreichen wir die Lübsche Straße, überqueren diese und fahren durch den Ziegeleipark auf dem Radweg weiter in Richtung Zentrum. Am anschließenden Kreisverkehr folgen wir dann weiter der Lübschen Straße, bis wir über die Fußgängerzone den Marktplatz von Wismar erreichen.

Die Hansestadt Wismar ist vor allem für ihre imposanten, gotischen Backsteinbauten bekannt und seine Altstadt im UNESCO-Welterbe geschützt. Beispiele dafür, finden sich im sog. „Gotischen Viertel“ westlich vom Markt und mit den beiden Kirchen St. Marien (nur der Turm steht noch) und St. Georgen. Schön ist es vor allem auf und um den alten Marktplatz herum, mit der hübschen Wasserkunst und dem imposanten Rathaus (heutige Stadtverwaltung). Hier laden zahlreiche nette Cafés und Restaurants zum Verweilen ein, von deren Außenplätzen man im Sommer das Treiben rund um den Markt gut beobachten kann.

Wusstest Du ürbigens, dass die Kaufhauskette „Karstadt“ in Wismar gegründet wurde? In der Fußgängerzone der „Lübschen Straße“ kannst Du noch heute das alte Stammhaus besichtigen und natürlich ordentlich shoppen!

Mein Fazit: Sehr abwechslungsreiche, meist sehr gut zu fahrende Fahrradtour auf dem Ostseeradweg zwischen den beiden alten Hansestädten Lübeck und Wismar! Entlang einer naturbelassenen, geradezu wilden Küste und durch fast menschenleeres Gebiet, erradelt man sich den äußersten Nordwesten Mecklenburg-Vorpommern. Fahrrad fahren an der Ostsee könnte nicht schöner und entspannender sein!

 

Schwierigkeit: mittel, für geübte Radfahrer;
gute Grundkondition erforderlich
Länge: ca. 75 km
Fahrzeit: ca. 4,5 – 5 h
Höhenmeter: + 470 m, – 470 m
An-/Abreise: z.B. per DB zum/ab jeweiligen
Hauptbahnhof
Ausrüstung: Trekkingrad oder Mountainbike,
Fernglas + Fotoapparat empfehlenswert

Fahrrad fahren auf dem Ostseeradweg von Lübeck nach Wismar zum Nachradeln und inklusive GPS-Daten zum Download:

Gesamtstrecke 75.097 m
Höchster Pkt. 31 m | Niedrigster Pkt. -14 m
Anstieg Σ  438 m | Abstieg Σ -438 m
Gesamtzeit (inkl. Pausen) ⏰ 07:06 h:min
⇓ Download als GPX-Datei »

💡Tipp 1: Eine weitere schöne Etappe auf dem Ostseeradweg ist die Fahrradtour von Warnemünde auf den Darß!

💡Tipp 2: Finde die für Dich passende Fahrradtour – mit meiner Suche unter „Deine ♥Tour finden„!

Frage? Anregung? Schreib mir: