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Fahrrad fahren auf dem Ostseeradweg: Von Wismar nach Warnemünde

Diese schöne Fahrradtour führt uns von der alten Hansestadt Wismar auf dem Ostseeradweg bis ins Seebad Warnemünde, nördlich von Rostock. Dabei radeln wir durch eine wunderschöne Küstenlandschaft, kommen an mondänen Ostseebädern vorbei und durchstreifen einen mystischen Gespensterwald. Dann mal los!

Fahrrad fahren auf dem Ostseeradweg: Am Gespensterwald bei Nienhagen

Fahrrad fahren auf dem Ostseeradweg: Am Gespensterwald bei Nienhagen

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Die Fahrradtour startet in der schönen Altstadt der Hansestadt Wismar, die für ihre gotischen Backsteinbauten bekannt ist, welche sogar im UNESCO-Weltwerbe geschützt sind. (siehe Voretappe) An der Straße „Am Haffeld“ im Norden der Stadt, treffen wir auf den Ostseeradweg, der uns nun nordostwärts und entlang der Wismarer Bucht zu unserer Linken führt.

Ab Redentin radeln wir auf dem Radweg neben der Landstraße durch eine ruhige, flache Küstenlandschaft und von Dorf zu Dorf. Die schöne Insel Poel, zu der man in Groß Strömkendorf abzweigen kann, müssen wir leider aus Zeitgründen links liegen lassen. Wert wäre sie es bestimmt, vielleicht ein anderes Mal…

Fahrrad fahren auf dem Ostseeradweg: Von Wismar nach Warnemünde

Über Blowatz und Dreveskirchen geht es weiter voran, bis kurz vor dem Örtchen Stove eine alte Holländer-Windmühle vor uns auftaucht, die uns neugierig macht. Erhaben auf einer kleinen Anhöhe, dem Mühlenberg, steht sie da. Schon seit fast 130 Jahren und tut noch immer ihren Dienst. Nicht mehr täglich, wie früher, aber zur Schau und Anschauung für ihre Besucher. Man kann die Windmühle Stove also besichtigen und sich dabei von ihrer Imposanz und ausgeklügelten Funktionsweise beeindrucken lassen – der örtliche Mühlenverein machts möglich. Mir war jedenfalls nicht bewusst, wie kompliziert und vielstufig die Mehlproduktion eigentlich ist. Hier lernt man es, eine Besichtigung lohnt sich wirklich!

Unterhalb der Stover Mühle, kurz hinter dem Ortseingang, treffen wir dann auf das kleine Dorfmuseum mit angeschlossener Backstube, in dem wir herrlich-frische Backwaren erstehen können. Vom Pflaumen-, über Apfelstreuselkuchen bis hin zu Brot und Brötchen wurde an meinem Besuchstag alles geboten. In der zugehörigen Scheune kann man sich über das frühere Landleben informieren – während man den noch warmen Kuchen mampft, toll!

Aber wir haben auch noch einige Kilometer vor uns und so zieht es uns anschließend wieder weiter in Richtung Nordosten. Unser nächstes Etappenziel heißt Rerik, direkt an der Ostsee gelegen. Um dort hinzugelangen, radeln wir weiter entlang der Landstraße mit dem sog. „Salzhaff“ zu unserer linken Hand. Salzhaff heißt diese, zwischen dem Festland und der in der ferne erkennbaren Halbinsel Wustrow gelegene, Bucht, die vom offenen Meer fast abgetrennt ist. An seinen Rändern gibt es fruchtbare, artenreiche Salzwiesen und unterschiedliche Wasservogelarten lassen sich hier beobachten. Die kühlende Seeluft duftet frisch nach Meer!

Nur ein paar wenige Kilometer weiter und wir erreichen schließlich das Ostseebad Rerik, das Tor zur Halbinsel Wustrow. Der Ort ist vergleichsweise klein, nicht extrem trubelig und deshalb bietet sich an der dortigen Hafenpromenade eine längere Rast an. Zahlreiche Restaurants und Imbisse bieten frischen Fisch oder Fischbrötchen auf die Hand an, während deren Verzehrs man den Blick über den kleinen Hafen und das Salzhaff schweifen lassen kann.

In Rerik erreichen wir nun erstmals wieder die freie Ostseeküste, die sich hinter der Düne versteckt. Östlich des Ortes wird deren Ufer nun auch zusehends steiler, wovon wir uns bei einem kurzen Abstecher zur Teufelsschlucht überzeugen können. Dort genießen wir einen tollen Ausblick über die türkise Ostsee!

Der schmale Strand zwischen Rerik und Kühlungsborn ist einladend schön

Zurück an der Straße, dem Meschendorfer Weg, führt uns die Fahrradtour nun parallel zum Ostseestrand nordostwärts über Meschendorf (danach toller Strandabschnitt, siehe Fotos!) und Kägsdorf bis ins große Ostseebad Kühlungsborn.

Je nach Saison ist Kühlungsborn, verglichen mit Rerik oder den vorherigen Dörfern, eine „etwas andere Nummer“. An der trubeligen Promenade, die gesäumt ist von großen Hotels und Appartmentanlagen, gilt es, sich im Slalom durch die urlaubende Menschenmenge zu schlängeln und dabei spielende Kinder, aufgeregte Hunde oder taumelnde Senioren im Auge zu behalten.

Schöner ist hier der Abschnitt an der Ostseeallee, parallel zur Strandpromenade. Seinen Höhepunkt findet der Trubel an der Strandstraße bei der Seebrücke, dem Zentrum des Ostseebades. Auf mehr als ein großes Softeis (Eisladen auf der rechten Seite der Strandstraße ortseinwärts gesehen) hatte ich unter diesen Bedingungen keine Lust, weiter gings für mich!

Beeindruckender ist da sicher eine Begegnung mit dem „Molli“, der alten Dampflok, die noch heute zwischen Kühlungsborn, Heiligendamm und Bad Doberan verkehrt, um Attraktion für Touris zu sein und diese entlang der Ostsee zu kutschieren. Parallel zum Ostseeradweg, östlich von Kühlungsborn, verläuft ihre schmalspurige Trasse. Ich hörte sie auch mehrmals laut tuten und schnaufen, konnte sie trotz zweimaligem Versuch aber nicht erspähen. :o/

Heiligendamm – die `Weiße Stadt am Meer` ist schön, aber leider auch sehr exklusiv

Weiter östlich treffen wir kurz darauf auf einen Küstenwald und erreichen anschließend das mondäne Ostseebad Heiligendamm, mit seinen unzähligen, weißen Prunkvillen. Zentrum bildet das prächtige 5 Sterne Grandhotel Heiligendamm, das zur Kempinski-Gruppe gehört. In dieser imposanten Kulisse fand 2007 der G8-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel als Gastgeberin statt. Ein Großaufgebot aus Polizei- und Sicherheitskräften isolierte damals diesen Ort von seiner Außenwelt. Leider ist das Gelände auch heute noch gut eingezäunt, so dass man nur in einem weiten Bogen an die Strandpromenade von Heiligendamm gelangt, um die Pracht von der Seeseite zu betrachten. Man ist hier eben nach wie vor gern unter sich.

Wie auch immer: Heiligendamm jedenfalls ist der älteste Seebadeort Deutschlands und wurde bereits 1793 als solcher gegründet. Durch seine weiße Häuserzeile entlang der Küstenlinie trägt es auch heute noch den Beinamen „Weiße Stadt am Meer“, obwohl bei nur 300 Einwohnern wohl kaum die Rede davon sein kann…

Nun radeln wir weiter ostwärts, kommen an Feuchtwiesen zur rechten Hand sowie einem alten DDR-Grenzwachturm vorbei und erreichen kurz darauf den Badeort Börgerende, den wir schnurstracks an der Promenade entlang „überwinden“. Denn spannend wird es erst kurz darauf wieder im sog. „Gespensterwald„, der schon zur Gemeinde Nienhagen gehört und direkt an die knapp 10 m hohe Steilküste angrenzt.

Die Rede ist von einem etwa 100 m breiten und ca. 1,2 km langen Teil des Waldstückes, das mit teilweise recht bizarr, vom steten Ostseewind geformten Eichen und Buchen bestanden ist. Vor allem die Buchen erscheinen oft schlangenartig verdreht und geneigt und bilden so einen fast mystischen Anblick. Hier nehmen wir uns ein paar Minuten Zeit, um die Szenerie auf uns wirken zu lassen. Wie das hier wohl bei Nebel, Sturm oder Dämmerung aussehen mag?

Warnemünde besitzt einen reizvollen, alten Kern

Auf dem Wanderweg fahren wir weiter nach Osten, durch den Wald hindurch und an Nienhagen vorbei. Bis zu unserem Etappenziel Warnemünde ist es nun nicht mehr weit. Unsere Beine dürfen sich bald ausruhen! Am „Kap Geinitzort“ erreichen wir das kleine Naturschutzgebiet „Stoltera, das vor allem durch sein bis zu 20 m hohes Steilufer sowie seinen geschützten Küstenwald aus Buchen, Eichen und Birken gekennzeichnet ist. Ein kurzer Stopp mit Besichtigung der Steilküste lohnt sich hier sehr!

Etwas später erreichen wir schließlich die Seepromenade von Warnemünde, dessen Wahrzeichen, das omnipräsente Hotel Neptun („Stasi-Hotel„) sowie der alte Leuchtturm, schon von weitem grüßen. Entlang der breiten Promenade radeln wir noch etwa 2 km bis zum 37 m hohen Leuchtturm und dem „Teepott“, wie das wellenförmige Gebäude daneben auch genannt wird.

Hier, im alten und sehr sehenswerten Teil Warnemündes, endet unsere Fahrradtour auf dem Ostseeradweg. Vielleicht werfen wir jetzt einen Blick auf den bis zu 150 m breiten Strand? Oder vertreten uns die Beine bei einem Spaziergang auf der Hafenmole, um den großen Fähr- oder Kreuzfahrtschiffen zuzuwinken? Auch eine kleine Stadtbesichtigung im alten Warnemünde, z.B. rund um die Kirche am Marktplatz ist sehr zu empfehlen! Und auch an Restaurants, die vor allem guten und frischen Fisch anbieten, gibt es in Warnemünde keinen Mangel. Diese finden sich vor allem am alten Strom. Viel Spaß und gute Erholung!

Mein Fazit: Tolle und sehr abwechslungsreiche Fahrradtour auf dem Ostseeradweg von Wismar nach Warnemünde! Hat man anfangs eher noch den Eindruck im Hinterland zu radeln, geht man spätestens ab Rerik wieder auf unmittelbare Tuchfühlung mit der Ostsee. Der Radweg macht hier seinem Namen alle Ehre und bietet dem Radler ein ganzes Potpourri unterschiedlicher Küstenformen!

 

Schwierigkeit: mittel, für geübte Radfahrer;
gute Grundkondition erforderlich
Länge: ca. 68 km
Fahrzeit: ca. 3,5 – 4 h
Höhenmeter: + 320 m, – 320 m
An-/Abreise: z.B. DB bis Wismar Hbf, ab
Warnemünde Bahnhof
Ausrüstung: Trekkingrad oder Mountainbike,
Fernglas + Fotoapparat empfehlenswert

Meine Fahrradtour auf dem Ostseeradweg von Wismar nach Warnemünde zum Nachradeln und inklusive GPS-Daten zum Download:

Gesamtstrecke 68.333 m
Höchster Pkt. 40 m | Niedrigster Pkt. -46 m
Anstieg Σ  305 m | Abstieg Σ -305 m
Gesamtzeit (inkl. Pausen) ⏰ 06:26 h:min
⇓ Download als GPX-Datei »

💡Tipp 1: Eine weitere schöne Etappe auf dem Ostseeradweg ist die Folgeetappe: Fahrradtour von Warnemünde auf den Darß!

💡Tipp 2: Finde die für Dich passende Fahrradtour – mit meiner Suche unter „Deine ♥Tour finden„!

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