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Himmlisch gut wandern? Mal sehen: Das Himmelmoor bei Quickborn

Auf dieser Rundtour wandern wir auf „himmlisch federnden“ Wegen um das Himmelmoor, nordwestlich von Hamburg gelegen. Dabei erleben wir die bizarre Landschaft dieses Feuchtgebietes hautnah, lernen aber auch viel über die Schizophrenie menschlichen Handelns. Zerstörung und Wiedergutmachung liegen dicht beieinander – im Himmelmoor bei Quickborn!

Wandern im Himmelmoor bei Quickborn

Wandern im Himmelmoor bei Quickborn – so idyllisch sieht es dort leider nicht überall aus

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„Manchmal überwiegen wirtschaftliche oder materielle Bedürfnisse die menschlichen Bedürfnisse nach Schönheit, Harmonie und Unversehrtheit.“ So jedenfalls lautet mein persönliches Resümee nach einer Wanderung im und um das Himmelmoor bei Quickborn!

Erleben wir ein solches Moorgebiet heute als selten, ökologisch bedeutsam und schützenswert, so war das vor wenigen Jahrzehnten noch völlig anders. Moore wurden damals trockengelegt, um den enthaltenen Torf abzubauen und hauptsächlich zu verfeuern. Anfangs in geringem, vergleichsweise verträglichem Umfang, später jedoch industriell organisiert und beschleunigt.

Wirtschaftliche Interessen standen – manchmal sogar verständlicherweise – den ökologischen Interessen vor, soweit diese bzw. die Konsequenzen des Torfabbaus damals überhaupt bekannt waren. Jahrtausende lang gewachsene Moore und ihre komplexen Ökosysteme wurden so binnen weniger Jahre dezimiert, manche Art für immer ausgelöscht…

Wandern im Himmelmoor macht Spaß – und nachdenklich

Heute sind wir schlauer, eigentlich. Die ökologische Bedeutung von urwüchsigen Feuchtgebieten, wie Moore sie sind, in Bezug auf Artenvielfalt und Klimaschutz ist landläufig bekannt. Dennoch werden wirtschaftliche Interessen gegenüber den Interessen des Naturschutzes nach wie vor „sorgsam“ abgewogen, oft genug noch zu Gunsten der Wirtschaft. Der Konflikt um den „Hambacher Forst“ in NRW lässt grüßen. Und auch im Himmelmoor ist dieser Konflikt deutlich sichtbar.

Das Himmelmoor war mit seinen 600 ha Fläche früher einmal das größte Hochmoor auf dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holsteins, bevor es durch den Torfabbau mehr als 200 Jahre lang ausgebeutet wurde. Insbesondere in der Kernzone des Moores wurde der Brennstoff abgebaut. Und: Der Abbau findet bis zum Jahr 2020 auch weiterhin statt. Dann soll Schluss sein!

Ergebnis ist ein landschaftlich stark verändertes Moorgebiet, mit extrem tiefen Narben an seiner Oberfläche. Ein Blick von oben verdeutlicht das erschreckende Resultat! Mühsam versucht man nun, die ehemaligen Torfstiche zu „wiedervernässen“ und zu renaturieren, um den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen.

Auf einer Rundwanderung wie meiner, kann man sich von den Ausmaßen des bisherigen Raubbaus, aber auch von der Schönheit des noch erhaltenen bzw. schon renaturierten Moorgebietes überzeugen. Dabei bekommt man eine Ahnung davon, wie urig es wohl vor dem Torfabbau hier einmal ausgesehen haben und wie lebendig es hier zugegangen sein muss.

Erste Flächen stehen nun wieder unter Wasser, das so wichtige Moos breitet sich aus. Im Randbereich des Moores – der bereits Landschaftsschutzgebiet ist – tummeln sich nun wieder unzählige Wasservögel, wie Krickenten, Grau- und Kanadagänse oder sogar Eisvögel. Das sumpf-typische Wollgras und sogar der fleischfressende Sonnentau lassen sich hier finden.

Der Raubbau hat 2020 wohl endlich ein Ende

Am besten startet man die Wanderung am Torfwerk Einfeld, östlich des Himmelmoores und wandert dann am Verlauf der Torfbahn-Schienen an den Rand des Moores. Deutlich gekennzeichnete Wege führen am Rand der Kernzone des Moores entlang. Zahlreiche Schautafeln erläutern die Flora und Fauna sowie die Beschaffenheit und Entstehung des Gebietes. Man folgt einfach dem Rundwanderweg („Naturlehrpfad“) oder meinem GPS-Track (siehe unten). Verschiedene Aussichtspunkte ermöglichen einen guten Überblick und führen dem Wanderer die Dimensionen der Moor-Kernzone gut vor Augen!

Auf – wegen des torfreichen Untergrundes – leicht „federnden“ Wegen erschließt man sich die Landschaft und kann westlich des Himmelmoores die Runde über den „Borsteler Wohld“ noch etwas ausweiten. Dort geht´s durch einen schönen Laubwald westwärts, um nach einiger Zeit nordwärts einzudrehen und das kleinen Flüsschen „Bilsbek“ zu überqueren. Idyllisch ist es kurz darauf auch am kleinen Waldsee, an dessen Ufer man gut rasten kann.

Geht man nördlich des Himmelmoores zurück, wandert man am besten den Weg entlang der Bilsbek, nördlich des sog. „Knust“, also am „Kanten“ des Moores, einem noch verbliebenen Reststück, das vom Torfabbau nicht unmittelbar beeinträchtigt wurde. An der Nordostkante der Kernzone findet sich zudem noch ein interessanter, holzbeplankter Moorlehrpfad samt Infohütte, der zur Entstehung und zum Aufbau des Moores informiert.

Mein Fazit: Lehrreiche, in vielen Teilen landschaftlich auch sehr schöne Rundwanderung um das Himmelmoor bei Quickborn! Allerdings wirkt gerade die Kernzone des Moores, die vom Torfabbau stark beeinträchtigt ist, vergleichsweise trist und abgestorben. Sie ist ein Mahnmal dafür, was Menschen der Natur kurzfristig und aus wirtschaftlichem Interesse antun können, um sich langfristig sogar selbst zu schaden!

 

Schwierigkeit: leicht, für geübte Wanderer
Länge: ca. 16,5 km
Gehzeit: ca. 3,5 h
Höhenmeter: + 20 m, – 20 m
An-/Abreise: z.B. mit der Bahn ab/bis Quickborn
Ausrüstung: keine besonderen Anforderungen,
Fernglas + Fotoapparat empfehlenswert

Wandern im Himmelmoor nordwestlich von Hamburg – zum Nachwandern und inklusive GPS-Daten zum Download:

Gesamtstrecke 16.708 m
Höchster Pkt. 10 m | Niedrigster Pkt. 1 m
Anstieg Σ  25 m | Abstieg Σ -25 m
Gesamtzeit (inkl. Pausen) ⏰ 05:28 h:min
⇓ Download als GPX-Datei »

💡 Tipp 1: Ein intaktes Moorgebiet kannst Du im Nordosten Hamburgs besuchen, auf einer Wanderung im Duvenstedter Brook!

💡 Tipp 2: Suchst Du nach Terminen für Wanderungen rund um Hamburg? Schau doch einfach mal in meinen Wanderkalender für Hamburg!

4 Kommentare zu “Himmlisch gut wandern? Mal sehen: Das Himmelmoor bei Quickborn

  1. Stefanie

    Wieder was für meine Liste, der noch zu entdeckenden Orte (ich wußte nicht mal von der Existenz des Moores. Dabei bin ich ganz in der Nähe einige Jahre zur Schule gegangen.) Vielen Dank also – und liebe Grüße, Stefanie

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