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Wandern in der Lüneburger Heide: Auf zum Totengrund

Auf dieser Wanderung geht es zu einem der Wahrzeichen der Lüneburger Heide. Wir wandern zum wunderschönen Totengrund, einem idyllisch mit Heidekraut und Wacholderbüschen bewachsenen Talkessel, südlich des kleinen Dorfes Wilsede. Was es wohl mit dem Namen ‚Totengrund‘ auf sich hat? Finden wir es heraus!

Wandern in der Lüneburger Heide: Blick in den Totengrund bei Wilsede

Blick in den Totengrund bei Wilsede in der Lüneburger Heide

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Die Lüneburger Heide ist eines der ältesten, großen Naturschutzgebiete Deutschlands und liegt im Nordosten Niedersachsens – so ziemlich im Dreieck zwischen den Großstädten Hamburg, Bremen und Hannover. Typisch für die Lüneburger Heide sind natürlich ihre ausgeprägten Heideflächen, die es früher in weiten Teilen Norddeutschlands gab und die durch Überweidung ehemals bewaldeter Flächen entstanden. Heute gibt es allerdings eher weniger dieser Flächen, so dass der verbliebene Teil durch Beweidung mit Heidschnucken offengehalten wird.

Wandern in der Lüneburger Heide: Auf zum Totengrund bei Wilsede

Die Heide hat als Naturschutzgebiet heute vor allem eine große Bedeutung für den Tourismus und als Naherholungsgebiet. So locken unzählige naturnahe Attraktionen, eine gut ausgebaute Wegeinfrastruktur sowie zahlreiche Unterkünfte jährlich hunderttausende von Urlaubern und Tagesausflüglern an. Beliebt ist sie vor allem zum Wandern, Radfahren oder Reiten.

Eine der beliebtesten Attraktionen ist der sog. „Totengrund“, etwas südlich des kleinen Dörfchens Wilsede. Von dort aus oder – so haben wir es gemacht – von Süden, ab dem Parkplatz des „FriedWalds Behringen“ aus, wandert man los. Die letztere Alternative ist etwas länger, hat aber den Vorteil, dass man hier auch an sonnigen Tagen i.d.R. eher allein wandert. Wilsede und der Weg von dort zum Totengrund sind dann nämlich recht gut besucht!

Vom Parkplatz aus wandern wir zunächst vorbei am FriedWald, der eine Art Waldfriedhof ist, nach Norden. Für einige Kilometer geht es auf einem Schotterweg durch sattgrünen Mischwald, der vor allem aus Buchen, Eichen, Douglasien und Kiefern besteht. Wir folgen den alten Holzwegweisern, die zusätzlich Orientierung in Richtung unseres Zieles bieten.

Vorbei am Forstamt Selhorn, das für die Bewirtschaftung der hiesigen Wälder zuständig ist, geht der hier asphaltierte Weg allmählich bergan. Eine Lichtung samt Gehöft am gegenüberliegenden Ende, bietet eine tolle Ansicht!

Die Szenerie am Totengrund wirkt wie gemalt

Wenig später biegt ein unscheinbarer Weg scharf nach links in den Wald ab, wir folgen ihm zum Totengrund und auf den Holzberg. Denn diesen müssen wir zuerst „erklimmen“, um bald darauf die Ostseite des Talkessels zu erreichen. Und plötzlich öffnet sich vor uns die Szenerie und wir schauen hinab in den „Totengrund“ genannten, leicht welligen Kessel. Durch die Heideblüte im August und September, schillert dessen Boden in einem zarten Rosa- bis Lilaschein. Aber auch außerhalb des Spätsommers wirkt das Panorama hier wie gemalt. Hauptsächlich wilde Wacholderbüsche und einige wenige Laubbäume stehen auf der Talsohle, umringt von einem bewaldeten Kranz knorriger Bäume auf dem Rand des Kessels.

Wir nutzen eine der am Wegesrand günstig platzierten Bänke für eine Pause, um zu verschnaufen und die Aussicht zu genießen. Anschließend wandern wir auf dem Kamm entgegen des Uhrzeigersinns um den Kessel herum. Immer wieder ergeben sich recht spektakuläre Ausblicke über den Kessel, vor allem wenn, vom Sturm entwurzelte, Baumriesen mit ihren knorrigen Ästen das Bild verzaubern.

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts erkannte der Egestorfer Pastor Wilhelm Bode, dass der Totengrund wegen seiner Schönheit und Einzigartigkeit schützenswert ist. Mittels Spendengeldern kaufte er 1906 das Arreal und legte damit den Grundstein für das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Über den Namen „Totengrund“ gibt es mehrere Theorien: Die spannendste entstammt der Sagenwelt. Die Erzählung besagt, dass an diesem Ort die Toten einer kriegerischen Auseinandersetzung zweier verfeindeter Gruppen von Riesen begraben seien – na gut, dass die tot sind!

Fakt ist, dass der Talkessel sehr trocken, der Boden sehr sandig ist. Vielleicht rührt auch daher sein Name? Auf dem westlichen Plateau über dem Kessel und vom dortigen Aussichtspunkt werfen wir einen letzten Blick auf das Tal, bevor wir anschließend nordwärts in Richtung Wilsede wandern.

In Wilsede kann man im alten Gasthaus bei Kaffee und frischem Kuchen gut rasten

Das kleine Heidedorf erreichen wir nach etwa 1 km. Zahlreiche Kutschen zeugen schon am Ortseingang von touristischer Aktivität, an Sonn- und Feiertagen ist hier einiges los. Das Heidemuseum und 2 kleine Ausflugrestaurants bieten die Möglichkeit zu pausieren. Bekannt ist der Ort vor allem als Namensgeber des „Wilseder Berges“, dem mit 169 m höchsten Berg der Lüneburger Heide. Dieser befindet sich nordwestlich des Örtchens.

Wir lassen den Trubel hinter uns – das es in Wilsede auch idyllischer zugehen kann, hat Stefanie hier sehr schön beschrieben – und wandern in Richtung Südwesten wieder hinaus aus dem Ort. Mit Glück begegnen wir einer Herde Heidschnucken, die friedlich grasen oder in der Sonne dösen. Vor dem Wald biegen wir auf den Feldweg nach links ab und schlagen nun einen südlichen Kurs ein. Links zieht jetzt die offene Heidelandschaft, rechts von uns der Wald vorbei. Wer mag, unternimmt noch einen kleinen Ausflug zum Steingrund, dessen felsige Brocken ebenfalls Relikte des o.g. „Riesen-Konflikts“ sein sollen…

Unser Weg führt uns nun wieder zurück in den Wald, aus dem wir Anfangs zum Totengrund heraustraten und über einen leicht zu gehenden Waldweg erreichen wir schließlich frohen Mutes unseren Ausgangspunkt am Parkplatz des „FriedWaldes Behringen“.

Mein Fazit: Landschaftlich tolle, überschaubare Wanderung zum idyllischen, fast mystischen Totengrund. Besonders die Mischung aus Passagen im Wald, am Waldrand und in der Heide machen den Reiz dieser Tour aus. Highlight ist natürlich der Totengrund selbst, der spektakuläre Ausblicke bietet – wandern in der Lüneburger Heide kann kaum schöner sein!

 

Schwierigkeit: leicht, für geübte Wanderer
Länge: ca. 13 km
Gehzeit: ca. 3 – 3,5 h
Höhenmeter: + 160 m, – 160 m
An-/Abreise: z.B. mit dem Auto bis Parkplatz
„FriedWald Behringen“ (siehe
Text)
Ausrüstung: eher feste Schuhe (sandige Wege),
Fotoapparat empfehlenswert

Die Tour „Wandern in der Lüneburger Heide – Auf zum Totengrund“ zum Nachwandern und inklusive GPS-Daten zum Download:

Gesamtstrecke 13.229 m
Höchster Pkt. 133 m | Niedrigster Pkt. 62 m
Anstieg Σ  157 m | Abstieg Σ -159 m
Gesamtzeit (inkl. Pausen) ⏰ 04:07 h:min
⇓ Download als GPX-Datei »

💡 Tipp 1: Eine schöne Tour in der Nähe führt Dich Von Bispingen nach Amelinghausen: Wandern in der Rehrhofer Heide!

💡 Tipp 2: Du möchtest mit dem Wandern beginnen? Lies zuvor meine 10 Tipps für Wander-Einsteiger und dann sollte eigentlich nichts schief gehen!

4 Kommentare zu “Wandern in der Lüneburger Heide: Auf zum Totengrund

  1. Lorenz

    Wow, mal wieder ein sehr schöner Beitrag mit klasse Photos! Die Ecke kenn ich noch gar nicht. Aber werde ich mir demnächst mal anschauen. War am letzten Wochenende mit dem Fahrrad in der Fischbeker Heide unterwegs, auch schön. Jetzt geht’s erst mal ne Woche in den Harz. Schöne Grüße!

    1. Alex Autor des Beitrags

      Hallo Lorenz, Danke!

      Das ist wirklich eine sehr schöne Ecke dort, da kannst du nicht viel verkehrt machen, bestimmt auch schön bei Nebel oder Vollmond am Totengrund!

      Wie war es denn mit dem Fahrrad in der Fischbeker Heide, warst du mit dem Mountainbike dort?

      Viel Spaß im Harz!
      Viele Grüße
      Alex

    1. Alex Autor des Beitrags

      Danke, Stefanie! Es war wirklich eine wunderbare Wanderung, auf der alles zusammenpasste, die tiefenentspannten Heidschnucken waren da dann nur noch die Krönung 🙂

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