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Fahrradtour von Berlin-Spandau über Potsdam nach Brandenburg, Nordostdeutsche Runde 7

Sehr abwechslungs- und wasserreiche Fahrradtour von Berlin-Spandau im Westen der Hauptstadt entlang der Havel, durch den Grunewald und zum Wannsee. Nach einem Stopp im geschichtsträchtigen Potsdam geht es über Werder zurück auf den Havel-Radweg bis nach Brandenburg a.d. Havel.

Auch in diesem Jahr habe ich in meinem Urlaub wieder eine mehrtägige Fahrrad-Trekking-Tour durch Deutschland unternommen. Nach dem Elberadweg im letzten Jahr, ging es in diesem Jahr in 11 Tages-Etappen (900 km) von Hamburg aus in Richtung Osten bis an die Müritz, dann auf dem Havel-Radweg nach Süden bis Berlin und Potsdam, um dann nach Nordwesten durch das Wendland zurück nach Hamburg zu radeln. Ich habe diese Fahrrad-Trekking-Tour „Nordostdeutsche Runde“ genannt, die hier beschriebene Etappe ist ein Teil der Tour.

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Nordostdeutsche Runde 7: Von Berlin-Spandau über Potsdam nach Brandenburg/Havel

Gestartet habe ich diese Fahrradtour im alten Zentrum von Berlin-Spandau mit einem Besuch der Zitadelle, einer gut erhaltenen, mittelalterlichen Festungsanlage von stattlicher Größe. Diese wurde damals zum Schutz der Stadt. Heute beherbergt die Anlage ein Museum (günstiger Eintritt) und es gibt hier im Innenhof regelmäßig Konzerte. Tipp: Wenn man auf den Festungsturm links neben dem Eingang klettert, hat man einen tollen Überblick über die Anlage und auf Berlin.

Südlich der Altstadt von Spandau startet die Tour dann direkt an der Havel. An der Heerstraße fährt man ein Stück stadteinwärts, um hinter der Brücke am Stößensee gleich rechts die Rampe (für Mutige) oder etwas weiter südlich einen Weg im Wald hinunter zum See zu nehmen. Ab jetzt radelt man auf ruhigen Ufer- und Waldwegen südwärts entlang der Havel und des Berliner Grunewalds. Unterwegs ergeben sich immer wieder schöne Blicke auf die see-artige Havel und es finden sich auch einige Badestellen. An der Halbinsel Schwanenwerder kann man Seglern beim Auf- oder Abtakeln beobachten.

Gleich danach kommt man zum alten Strandbad Wannsee, das bereits über 100 Jahre alt und eines der größten Freibäder an einem Binnengewässer in Europa ist. Es hat Platz für bis zu 12.000 Badegäste. Leider lud das Wetter an meinem Besuchstag nicht zum baden im Wannsee ein…

Über eine Brücke gelangt man in den Ort Wannsee und kurz danach wieder rechts in den Wald, durch den den Weg nun bis zur Pfaueninsel führt. Diese hat eine wechselhafte Geschichte und müsste eigentlich richtigerweise Kanincheninsel heißen. Mit einer Fähre kann man sich zur Besichtigung übersetzen lassen, denn heute leben tatsächlich jede Menge Pfauen auf der Insel. Das Fahrrad muss allerdings auf dem Festland bleiben.

Über die Glienicker Brücke wurden im Kalten Krieg Agenten ausgetauscht

Weiter führt der Uferweg bis zur geschichtsträchtigen Glienicker Brücke über die Havel nach Potsdam. Diese Brücke lag bis zur Wende genau auf der Grenze zwischen West-Berlin und der damaligen DDR. Hier wurden mehrmals enttarnte Agenten beider Seiten gegeneinander getauscht. Gedenktafeln zeugen noch davon

Danach ist man in Potsdam angelangt und radelt durch ein wunderbares Villenviertel direkt in die Innenstadt. Sehenswert ist hier vor allem das Holländische Viertel, mit den vielen kleinen Ziegelsteinhäusern im holländischen Stil, die aus dem 18. Jahrhundert stammen. Hier gibt es viele kleine, krative Läden, Gallerien, Cafés und Restaurants – und eine sympathische Atmosphäre! Über die Friedrich-Ebert-Straße, das Nauener Tor im Rücken, gelangt man auf die Brandenburger Straße, eine der Einkaufsmeilen Potsdam. Am Ende steht das schöne Brandenburger Tor.

Hier fährt man nach rechts an der Schopenhauerstraße entlang bis man nach links in den Park Sanssouci, um wenig später vor den Weinbergterrassen des Schlosses Sanssouci zu stehen. Hier bietet sich natürlich ein kleiner Rundgang im Park oder eine Besichtigung des Schlosses an! Der preußische König Friedrich II. ließ das Schloss 1745-47 als „kleines Sommerschloss“ im Rokoko-Stil errichten. Die hatten noch Ziele damals! 😉

Die Größe des Parks lässt sich am besten mit dem Fahrrad erschließen, da er sich nach Westen noch ca. 2 km bis zum „Neuen Palais“ erstreckt. Abseits der schnurgeraden Hauptallee, gibt es zahlreiche einsame Wege, auf denen es sich entspannt und in wunderbar gepflegtem Grün flanieren oder pausieren lässt.

Westlich des Parks folgt die Tour einige Kilometer der Lindenallee und führt dann über Golm nach Werder, vor dem man noch eine Eisenbahnbrücke über die Havel überqueren muss. Da mich in Werder ein starker Regenschauer überraschte, habe ich den Besuch der schönen Altstadtinsel ausgelassen, was mir hinterher ein wenig leidtat.

Westwind ist nicht schlimm – solange man nicht nach Westen radelt :/

Über Wiesen und Felder geht es nun nach Überquerung der Autobahn A10 nach Kemnitz, dass eine niedliche, rote Kirche hat. Man folgt dem Weg an der Bahnlinie bis Krielow und biegt dort nach Norden ab, bis man hinter Deetz wieder an die Havel gelangt. Diese schlängelt sich hier sehr gemächlich durch die ruhige Landschaft und an einigen Stellen kommt man auf den Gedanken, man sei im Amazonas, so wild und verwachsen präsentiert sich die Umgebung.

Vorbei am Götzer Berg radelt man gemütlich auf dem meist asphaltierten Deichweg etliche Kilometer an zahlreichen Nebenarmen der Havel entlang, bis man hinter Gollwitz auf die Bundesstraße B1 nach Brandenburg trifft. Wenn man Glück hat, kommt der Wind nicht aus westlicher Richtung und macht damit die letzten Kilometer zur Qual. Ich hatte an diesem Tag kein Glück!

Über die Potsdamer Straße führt der Weg dann hinein ins Zentrum von Brandenburg/Havel, dass u.a. aus Neu- und Altstadt besteht. Sehenswert an der Neustadt ist vor allem die Katharinenkirche direkt am Neustädtischen Markt. Als ich auf dem Markt ankam, tobte hier gerade ein Stadtfest und so ließ ich bei einem großen Softeis die Szene auf mich wirken, bevor ich mich zu meiner Unterkunft am Wassersportzentrum „Alte Feuerwache“ aufmachte. Geschafft!

Mein Fazit: Eine (durch den Westwind) recht anstrengende, aber auch sehr abwechslungsreiche Fahrradtour, entlang der Havel und vorbei an zahlreichen, sehr geschichtsträchtigen Orten. Hier kommen sowohl Natur- als auch Geschichtsfans auf ihre Kosten!

 

Schwierigkeit: mittel, gute Grundkondition erforderlich (Gegenwind wahrscheinlich)

Länge: ca. 82 km

Fahrzeit: ca. 5 – 6 h, je nach Geschwindigkeit

Höhenmeter: + 340 m, – 350 m

An-/Abreise: mit dem Auto/der Bahn

Ausrüstung: Trekkingrad oder Mountainbike; Fernglas empfehlenswert

Meine Fahrradtour bei komoot zum Nachradeln und inklusive GPS-Daten zum Download: https://www.komoot.de/tour/18252422?ref=wtd


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