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Radtour von Brandenburg über Rathenow nach Kuhlhausen/Havelberg, Nordostdeutsche Runde 8

Schön, wasserreich aber auch recht anstrengend ist diese Radtour von Brandenburg a.d. Havel auf dem Havel-Radweg entlang der sich windenden Havel. Es geht durch kleine Dörfer, über Brücken und durch Wälder hindurch nach Rathenow und weiter bis fast nach Havelberg. Und fast am Ende steht da plötzlich ein alter Passagierjet mitten in der Landschaft, skurril! Aber der Reihe nach.

Auch in diesem Jahr habe ich in meinem Urlaub wieder eine mehrtägige Fahrrad-Trekking-Tour durch Deutschland unternommen. Nach dem Elberadweg im letzten Jahr, ging es in diesem Jahr in 11 Tages-Etappen (900 km) von Hamburg aus in Richtung Osten bis an die Müritz, dann auf dem Havel-Radweg nach Süden bis Berlin und Potsdam, um dann nach Nordwesten durch das Wendland zurück nach Hamburg zu radeln. Ich habe diese Fahrrad-Trekking-Tour „Nordostdeutsche Runde“ genannt, die hier beschriebene Etappe ist ein Teil der Tour.

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Nordostdeutsche Runde 8: Von Brandenburg über Rathenow nach Kuhlhausen/Havelberg

Startpunkt dieser Radtour ist Brandenburg/Havel, das bereits eine mehr als tausendjährige Geschichte vorzuweisen hat. Ein kleiner Abstecher durch die Altstadt bot sich auf meiner Tour an. Es ging vorbei am Altstädtischen Rathaus mit der Roland-Figur davor, die im Mittelalter die wirtschaftliche Eigenständigkeit der Stadt und ihre Prosperität repräsentierte. Hinter der hübschen St.Gotthardt-Kirche gelangt man auf den Wall, der die Altstadt umgibt.

An der Bergstraße kann man den Marienberg erklimmen, auf dessen Spitze bei der „Friedenswarte“ ein Aussichtsturm steht. Für kleines Geld, kann man auch diesen erklimmen und gewinnt von dessen zahlreichen Aussichtsplattformen in luftiger Höhe einen tollen Rundumblick über Brandenburg und die umliegende Landschaft. Das Gelände des Marienbergs war 2015 Teil der damaligen BUGA und ist entsprechend schön hergerichtet.

Über die Madgeburger Straße, Magdeburger und später Plauer Landstraße lässt man Brandenburg/Havel dann in Richtung Westen hinter sich, vorbei an der JVA Brandenburg und (optional) bis nach Plaue. Hier habe ich einen kleinen Schlenker unternommen, um über die „Alte Plauer Brücke“ zu fahren, die einen recht morbiden Charme aufweist. Über die neue Brücke geht es zurück auf die Ostseite der Havel und dann nordwärts über Briest und Krahnepfuhl bis nach Tieckow.

Vor Tieckow bin ich bis an die Havel durchgestoßen, um eine Rast einzulegen. Eine kleine Landzunge erstreckt sich hier in die Havel, auf der man wunderbar pausieren und den Booten auf dem Fluss zuschauen kann. An der flussabgewandten Seite dieser Landzunge lassen sich Wasservögel sehr schön beobachten!

Bei Tieckow lassen sich an der Havel wunderbar Wasservögel beobachten

Hinter Tieckow gelangt man bei Havelsee an eine Brücke, die die Havel (links) vom Pritzerber See (rechts) trennt. In Pritzerbe fährt man schließlich auf den Radweg neben der Bundesstraße, dem man jetzt lange knapp 9 km bis Premnitz folgt. Auch das anschließende Stück von Premnitz nach Rathenow ist hier wenig abwechslungsreich und führt entlang der Bundestraße über knapp 10 km. Mit Westwind wird es hier etwas beschwerlich!

Irgendwann hat man es dann bis Rathenow geschafft, das sich offizielle den Untertitel „Stadt der Optik“ gibt. Denn hier wurde Anfang des 19. Jahrhunderts die industrielle Produktion von Brillengläsern erfunden und geprägt. Mit den Ziegeln aus der Ziegelproduktion in Rathenow, wurden bedeutende Bauwerke, wie Schloss Sanssouci, das Holländische Viertel in Potsdam sowie das Rote Rathaus in Berlin erbaut. Die Altstadt von Rathenow habe ich jedoch als nicht besonders schön erlebt und so die Stadt zügig in Richtung Norden wieder verlassen.

Eine kleine Rast habe ich dann lieber im nahen Hohennauen und dem dortigen „Fischrestaurant Strandgut“ gemacht. Hier kann man gut auf der Terrasse sitzen und auf den nahen „Hohennauer See“ blicken. Anschließend geht es weiter an der Bundesstraße in Richtung Norden, erst entlang von Wiesen und Feldern, später auch durch ein kühlendes Waldgebiet östlich der Rhinower Berge.

In Rhinow selbst muss man sich dann entscheiden: Wer an Technik und Flugzeuggeschichte interessiert ist, sollte einen Abstecher nach Stölln zur dortigen Ausstellung am Gollenberg unternehmen. Wen das nicht interessiert, der biegt in Rhinow gleich links ab in Richtung Nordwesten.

Wie kommt ein Passagierjet auf diesen Acker?

Tipp: In Stölln wurde Fliegereigeschichte geschrieben! Hier hat der Flugpionier Otto Lilienthal Ende des 19. Jahrhunderts am Gollenberg (einige Hundert Meter östlich des Ortes) einige seiner berühmten Erprobungsflüge durchgeführt. Leider kam er dann bei einem davon im August 1896 ums Leben. Eine umfangreiche Ausstellung im Lilienthal-Centrum erzählt von seiner Geschichte. An meinem (Sams-)Tag hatte sie leider schon geschlossen. Sie soll aber sehr sehenswert sein!

Eine weitere Attraktion, ist die alte „Lady Agnes“ direkt am Flugplatz Gollenberg, ein alter, großer Passagierjet der „Interflug“ vom Typ „Iljuschin IL-62„. Man fragt sich zu Recht, wie der wohl hier hingekommen sein mag und erfährt in der zugehörigen Ausstellung und bei der Besichtigung der Maschine von dem waghalsigen Manöver Ende der 1980er Jahre, siehe Video.

Zurück in Rhinow, verlässt man den Ort über die Rübehorster Straße nach Nordwesten. Kurz darauf biegt man nach links auf eine Landstraße ein. Diese führt jetzt durch eine weite, flache Feuchtwiesenlandschaft bis nach Strodehne.

Dort überquert man etwas nördlich davon die Brücke über die Havel. Hiermit übertritt man auch die Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Wenig später biegt man nach rechts ab und kommt kurz darauf im kleinen Dorf Kuhlhausen an. Kuhlhausen gehört schon zu Havelberg und ist der Endpunkt dieser Etappe ist.

Hier hatte ich eine wunderbare Unterkunft auf einem alten Vierseit-Bauernhof bei Sigrid, mit einem tollen abendlichen Blick über die Havelaue direkt vor meinem Panoramafenster (siehe Fotos)!

Mein Fazit: Ziemlich anstrengende Radtour von Brandenburg bis fast nach Havelberg, die gerade bei Westwind etwas Ausdauer und Kondition verlangt. Einige Highlights an der Havel, in Stölln und rund um Kuhlhausen machen sie dennoch erlebenswert – viel Spaß!

 

Schwierigkeit: mittel, nur für geübte Radfahrer
Länge: ca. 87 km (ohne Abstecher nach Stölln ca. 80 km)
Fahrzeit: ca. 5 – 6 h
Höhenmeter: + 250 m, – 260 m
An-/Abreise: mit der Bahn/dem Auto
bis Brandenburg/Havel
Ausrüstung: Trekkingrad oder Mountainbike,

Fernglas + Fotoapparat empfehlenswert

Meine Radtour bei komoot zum Nachradeln und inklusive GPS-Daten zum Download: https://www.komoot.de/tour/18311994?ref=wtd


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