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Wandern gehen in Hamburg: Im Höltigbaum und Stellmoorer Tunneltal

Wandern gehen in Hamburg muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass das nur an Alster oder Elbe stattfinden kann! Denn gerade der äußerste Nordosten von Hamburg bietet neben dem Duvenstedter Brook noch zwei weitere schöne Naturschutzgebiete: den „Höltigbaum“ und das „Stellmoorer Tunneltal“, die unmittelbar nebeneinander liegen. Zeit für eine kleine Erkundung!

Galloway-Rinder im Naturschutzgebiet Höltigbaum

Wandern gehen in Hamburg: Galloway-Rinder im Naturschutzgebiet Höltigbaum

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Diese kleine, maximal halbtägige (2-3 h Gehzeit) Rundwanderung, startet man am besten am „Haus der Wilden Weiden„, am Eingang des Naturschutzgebietes Höltigbaum (siehe Anreise unten). Dieses liegt am äußersten nord-östlichen Stadtrand von Hamburg im Stadtteil Rahlstedt, der zum Bezirk Wandsbek gehört. Der östliche Teil des Areals liegt schon auf dem Gebiet der Gemeinde Stapelfeld, also in Schleswig-Holstein.

Wandern gehen in Hamburg: Im Naturschutz-gebiet Höltigbaum und Stellmoorer Tunneltal

Der Besuch im „Haus der Wilden Weiden bildet einen schönen Auftakt für die anschließende Wanderung, erfährt man dort doch sehr viel über die Geschichte sowie Flora und Fauna der beiden Naturschutzgebiete Höltigbaum und Stellmoorer Tunneltal. So war der Höltigbaum bis Anfang der 1990er Jahre noch ein gesperrter Truppenübungsplatz und wurde von einer Panzergrenadierbrigade genutzt. Erst kurz darauf wurde das landschaftlich faszinierende Gebiet unter Naturschutz gestellt. Die Ausstellung im Haus ist didaktisch sehr schön und gut „konsumierbar“ aufbereitet, so dass auch Kindern hier nicht langweilig werden sollte. Oder wusstest Du, wie ein Kuhfladen verwittert und was dabei in und unter ihm geschieht?

Die Wanderung selbst startet vor dem Haus. Man hat im Gebiet die Wahl aus drei jeweils farbig markierten Rundwanderwegen, oder man geht einfach auf eigene Faust und mit GPS los. So habe ich es gemacht und bin in Richtung Osten und dem Verlauf des Flüsschens „Wandse“ folgend, losmarschiert (siehe Karte unten). Wer hier öfter mitliest, wird sich erinnern, dass es in Hamburg einige schöne Touren an der Wandse gibt…

Schon nach wenigen hundert Metern erkennt man, was dieses Naturschutzgebiet im Speckgürtel Hamburgs so besonders macht: Es eröffnet sich eine savannenartige, sanft hügelige Graslandschaft mit vereinzelten Bäumen und kleinen Sträuchern. Zwischendrin immer wieder kleine Bäche, Teiche oder Wäldchen. Man geht dabei auf unterschiedlichem Belag. Mal ist es ein befestigter Sandweg, dann ist es ein kleiner unbefestigter Pfad am Waldrand, später sogar eine alte Panzerstraße, auf der früher die Stahlkolosse entlangrumpelten. Die dicken Markierungssteine am Wegesrand zeugen noch von dieser Zeit.

Der Höltigbaum ist ein ehemaliger Truppenübungsplatz mit einzigartiger Natur

Und schwups steht man plötzlich mitten in einer Herde Galloway-Rinder, die einen mampfend und fragend angucken, dabei aber völlig harmlos und ausgeglichen wirken. Vermutlich sind sie vorbei wandernde und ebenso fragend guckende Menschen gewöhnt. Jedenfalls gehören sie zum Höltigbaum dazu, genauso wie die Heidschnucken-Herden, von denen ich an diesem Tag allerdings keine sah. Die Tiere weiden hier ganzjährig und sorgen nach dem Prinzip der „Halboffenen Weidelandschaft“ dafür, dass die hiesige Lebensraumvielfalt erhalten bleibt.

Denn die kann sich wirklich sehen lassen! Insbesondere Vogelfreunde kommen im Naturschutzgebiet auf ihre Kosten, gibt es doch reichlich Federvieh zu beobachten. Exemplarisch seien hier Feldlerche, Baumpieper, Neuntöter (spießt seine Beute auf Dornen von Sträuchern auf *brrr*) oder Goldammer genannt. Die ehemalige, „spezielle Boden-Bewirtschaftung“ durch die Panzerbrigade, hat hier eine einzigartige, angepasste Mischung von Tier- und Pflanzenwelt gefördert, die sich stets und immer wieder neu zu behaupten hatte.

Ganz im Osten des Gebietes umrundet man dann das ehemalige Munitionsdepot des Truppenübungsplatzes, das noch heute durch einen Zaun abgesperrt ist. Danach geht es dann auf der alten Panzerstraße (Hagenweg) Richtung Westen zurück. Links und rechts des Weges eröffnet sich jetzt eine schöne heide-artige, weite Landschaft mit vereinzelt stehenden Birken, Baumgruppen und kleinen Teichen. Auch hier zwischendrin und als schwarze „Farbtupfer“ immer mal wieder ein paar Galloways.

Irgendwann biegt nach links dann der Weg „Fattsbarg ab und man entert das Naturschutzgebiet Stellmoorer Tunneltal, was ein großes Schild am Wegesrand verdeutlicht. Die besondere geologische Situation hier vor Ort, als Randbereich der letzten Eiszeit, einige archäologische Funde aus der Eisen- und Bronzezeit sowie die ökologische Bedeutung, machen dieses Gebiet besonders.

Das Tunneltal wurde durch die Schmelzwässer der letzten Eiszeit geprägt

Das „Tunneltal„, oder auch „glaziale Rinne“, entstand unter dem Gletschereis der letzten Eiszeit und durch die erodierende (abtragende) Wirkung der Schmelzwässer des darüber liegenden Eises. Entsprechend wellig ist die Geländeform, Niederwald und Naßwiesen grenzen an kleine Bachläufe. Für die Augen ist das alles sehr schmeichelnd, kommt man sich an manchen Stellen doch vor, als sei man in Südschweden!

Schließlich gelangt man an einen größeren, recht idyllischen See, der eigentlich ein Regenrückhaltebecken der Wandse ist. Hier bietet sich ein letztes Päuschen an, bevor man nur einige Minuten Fußmarsch weiter wieder den Weg „Höltigbaum“ erreicht, der zurück zum „Haus der Wilden Weiden“ und damit zum Ausgangspunkt dieser Wanderung führt. Das Haus beherbergt übrigens auch ein kleines Café und Toiletten…

Mein Fazit: Wandern gehen in Hamburg kann auch abseits von Alster oder Elbe wunderschön sein, wie diese kleine Rundwanderung im Naturschutzgebiet Höltigbaum beweist! Die reizvolle, fast savannenartige Graslandschaft mit ihren sanften Hügeln und kleinen Bächen sowie den urigen Galloways machen diese Tour jedenfalls zum Erlebnis.

 

Schwierigkeit: leicht, für geübte Wanderer
Länge: ca. 10 km
Gehzeit: ca. 2 – 2,5 h
Höhenmeter: + 100 m, – 90 m
An-/Abreise: per Rad oder Auto (Parkplätze an der
Straße Eichberg nutzen)
Ausrüstung: keine besonderen Anforderungen,
Fernglas + Fotoapparat empfehlenswert

Wandern gehen in Hamburg – Meine Tour im Naturschutzgebiet Höltigbaum und Stellmoorer Tunneltal zum Nachwandern und inklusive GPS-Daten zum Download:

Gesamtstrecke 10.628 m
Höchster Punkt 48 m | Niedrigster Punkt -32 m
Gesamtanstieg  489 m | Gesamtabstieg -493 m
Gesamtzeit (inkl. Pausen) ⏰ 03:13 h:min
⇓ Download als GPX-Datei »

💡 Tipp 1: Ähnlich schön wie diese Wanderung, ist auch eine Tour durch die Fischbeker Heide in Hamburgs Süden oder durch die Hahnheide bei Trittau!

💡 Tipp 2: Du möchtest mit dem Wandern beginnen? Lies zuvor meine 10 Tipps für Wander-Einsteiger und dann sollte eigentlich nichts schief gehen!

2 Kommentare zu “Wandern gehen in Hamburg: Im Höltigbaum und Stellmoorer Tunneltal

  1. Stefanie

    Lieber Alex, sieht super aus das Tunneltal. Ich bin vergangenen Frühling zum ersten Mal am Höltigbaum gewesen und war so begeistert; gerade von den freilaufenden Galloways. Das Haus der Wilden Weiden hatte da leider nicht geöffnet (Internet checken kann also Sinn machen) und ich bin dem „Entdecker Pfad“ gefolgt. Das war auch traumschön. Liebe Grüße, Stefanie

    1. Alex Autor des Beitrags

      Hallo Stefanie,

      das kann ich gut nachvollziehen: Die Galloways fand ich auch toll, vor allem ihre dicke Wolle und ihre 80er Toupets 😉 Ein herrliches, kleines Naturschutzgebiet in Stadtnähe, in dem ich ab jetzt noch öfter wandern gehen werde!

      Viele Grüße
      Alex

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