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Elberadweg: Radtour von Lutherstadt Wittenberg nach Torgau

Auf dem Elberadweg geht es bei dieser schönen Radtour von Lutherstadt Wittenberg nach Torgau. Durch eine sanfte Wiesen- und Weidelandschaft folgt der Weg dem Lauf der Elbe. Dabei kommst Du durch kleine Naturschutzgebiete, vorbei an idyllischen Seen und winzigen Dörfern. Am Ende wartet die hübsche Altstadt von Torgau in Sachsen auf Dich. Bist Du bereit?

Entspannung am Elberadweg: Die sanfte Elblandschaft bei Klöden in Sachsen-Anhalt

Entspannung am Elberadweg: Die sanfte Elblandschaft bei Klöden in Sachsen-Anhalt

Hintergrund: Den Elberadweg bin ich im Juni 2016 bei bestem Sommerwetter geradelt. Dabei bin ich von meiner Heimatstadt Hamburg aus, in insgesamt 11 Tagesetappen die Elbe hinauf bis nach Radebeul/Dresden in Sachsen gefahren. Insgesamt fast 600 km auf dem Fahrrad, immer entlang dieses wunderbaren Flusses mit seinen vielen, hübschen Auen und kleinen Buchten. Die nachfolgend beschriebene Radtour ist ein Teil der gesamten Strecke des Elberadweges.

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Logo des Elberadweges

Logo des Elberadweges

Los geht es auf dieser Etappe des Elberadwegs in der quirrligen und historisch bedeutsamen Altstadt von Lutherstadt Wittenberg, siehe Voretappe. Über die Dresdner Straße verlässt man die Altstadt in Richtung Osten. um im Stadtteil Elstervorstadt in das Landschaftsschutzgebiet Elbwiesen einzutauchen. Ab jetzt geht es unweit der Elbe und auf ruhigen, flachen Nebenstraßen und Wegen durch die Natur, unterbrochen lediglich durch einen kurzen Abschnitt an der Bundesstraße B187.

Kurz hinter dem Örtchen Listerfehrda, überquert man die „Schwarze Elster„, die sich hier auf ihren letzten Metern vor der Mündung in die Elbe durch die Landschaft windet. Die Schwarze Elster ist ein 179 km langer Nebenfluss der Elbe, der in der Oberlausitz entspringt. Bis zur politischen Wende 1989, galt der Fluss als biologisch nahezu tot, da er umfangreiche Abwässer aus Braunkohletagebauen sowie der umliegenden Industrie zu ertragen hatte. Ende der 2000er Jahre begann man mit Renaturierungsmaßnahmen, so dass die Gewässerqualität heute wieder akzeptabel ist. Gut so!

Elberadweg 9: Radtour von Lutherstadt Wittenberg nach Torgau

Etwas später gelangt man bei Klöden wieder dichter an die Elbe heran und kann bei einer Rast ihren ruhigen Strom und die sanfte Uferlandschaft bewundern. Wer sich traut, geht in einer der kleinen Buchten schwimmen oder man blickt einfach nur in den weiten Himmel! Diese menschenleere Weite und das satte Grün der umliegenden Felder wirken Wunder und unheimlich entspannend…

Ich hatte hier sogar die Muße, einem vorbeiziehenden Regenschauer per Fahrrad ganz langsam hinterherzufahren, die tröpfelnde „Regengrenze“ nur 2-3 Meter vor mir. Eine einmalige Erfahrung!

In Mauken, an der Elbfähre nach Pretzsch, traf ich dann am dortigen Eiswagen auf einen geschwätzigen Zimmermannsgesellen aus Berlin. Wir kamen schnell ins Gespräch und er erzählte mir von der Walz, der 3 jährigen Wanderschaft, auf der er sich gerade befand und ihren strengen Regeln.

So darf sich ein Wandergeselle in dieser Zeit nicht weiter als bis auf 50 km seinem Heimatort nähern oder muss für Kost und Logis jeweils einen Arbeitgeber finden, da er keine kommerziellen Unterkünfte nutzen darf. Auch der Gebrauch von Verkehrsmitteln ist ihm untersagt, soll er doch wandernd unterwegs sein. Entsprechend langsam aber auch „intensiv“ kommt man voran und entdeckt das selbständige Leben. Für einen jungen Gesellen sicher eine tolle und wichtige Lebenserfahrung!

Die sanfte Elblandschaft rund um Pretzsch ist bezaubernd schön

Ich wünschte ihm alles Gute und nahm dann die nächste Fähre über die Elbe nach Pretzsch, von wo das dortige Schloss schon aus der Ferne grüßte. Zeit für eine Besichtigung hatte ich  keine, denn ich hatte nun etwas Zeitdruck und plötzlich Regen im Nacken! Nach einem kurzen Abstecher an den Großen Lausiger Teich, ging es parallel zur Bahnlinie über ruhige Feldwege und durch leicht hügeliges Gelände bis ins Städtchen Dommitzsch. Kurz vorher konnte ich mich noch an voll behangenen Kirschbäumen am Wegesrand satt essen 😉

Nach einer kurzen Rast, gelangt man östlich von Dommitzsch wieder an die Elbe, der man ein kurzes Stück folgt, bis man auf das kleine Flüsschen „Weinske“ stößt, das man bei Drebligar zunächst überqueren muss. Erst einige Kilometer später, bei Mockritz kommt man in einer sehr schönen, weiten Auenlandschaft zurück an den Elblauf. Nun sind es nur noch etwa 7 km bis ins Zentrum von Torgau, der Kreisstadt des Landkreises Nordsachsen.

Nicht zu übersehen, ist das imposante Schloss Hartenfels, einst Residenz einflussreicher Kurfürsten und zu Zeiten der Reformation das politische Zentrum. 1530 verfasste Martin Luther hier, gemeinsam u.a. mit Philipp Melanchthon und Johannes Bugenhagen, die Torgauer Artikel, eine Reihe „theologischer Gutachten“. Kleine Attraktion: Im Burggraben des Schlosses werden Bären gehalten, was eine lange Tradition in Torgau hat.

Sehenswert sind in Torgau, neben dem Schloss Hartenfels, vor allem der Marktplatz mit dem Rathaus sowie die umliegenden Gassen, vor allem in Richtung des östlich gelegenen Schlosses.

Die Gedenkstätte im ehemaligen Jugendwerkhof Torgau zeugt von einer grausamen Vergangenheit in der DDR

Ein besonders trauriges Kapitel Torgaus, erschließt sich mit der Besichtigung der Gedenkstätte „Geschlossener Jugendwerkhof Torgau. Das heute so harmlos wirkende Gebäudeensemble, war in der ehemaligen DDR von 1964 bis 1989 eine Art „geschlossene Umerziehungs- und Drangsalierungsanstalt“ für nicht linientreue bzw. folgsame Jugendliche zwischen 14 (!) und 17 Jahren. Offiziell eine Einrichtung der „Jugendhilfe in der DDR“ und direkt dem Volksbildungsministerium von Margot Honecker unterstellt, war es inoffiziell die grausame Spitze eines Apparates, der vermeintlich „asoziale“ Jugendliche mit Macht und Folter ins System zu pressen versuchte.

Der Alltag der Jugendlichen hier in Torgau, bestand aus ideologischem Unterricht, schwerer körperlicher Arbeit sowie rigidem, militärischem Drill – oft verbunden mit gezielten Demütigungen und Misshandlungen. Ziel war es letztendlich, den Widerstand und damit den Willen der „aufsässigen“ Jugendlichen zu brechen, um sie gefügig zu machen. Hinterlassen hat man am Ende gebrochene und traumatisierte Menschen, manche begingen schon damals Selbstmord…

Die Dauerausstellung im ehemaligen Jugendwerkhof gibt einen sehr eindrucksvollen Einblick in das oben beschriebene System, die Zustände in der Einrichtung und das Leben der damaligen Insassen. Als Kind der ehemaligen DDR interessierte mich diese Geschichte naturgemäß ganz besonders, zumal ich auch schon damals immer mal wieder von Torgau hörte. Dennoch kann ich nur jedem Geschichtsinteressierten dringend empfehlen, sich an diesem unscheinbaren Ort, Mitten in Deutschland, selbst einen Eindruck darüber zu verschaffen, wozu wir Menschen gegenüber unseres Gleichen fähig sind!

Mein Fazit: Landschaftlich sehr reizvolle Etappe auf dem Elberadweg! Auf dieser Radtour von Lutherstadt Wittenberge nach Torgau steht das Naturerlebnis in den Auen und Wiesen der sich windenden Elbe im Vordergrund. Die Altstadt von Torgau bildet am Ende ein kulturelles Highlight, der dortige, ehemalige Jugendwerkhof liefert viel Stoff zum Nachdenken!

 

Schwierigkeit: mittel, für geübte Radfahrer;
gute Grundkondition erforderlich
Länge: ca. 73 km
Fahrzeit: ca. 4 – 5 h
Höhenmeter: + 190 m, – 160 m
An-/Abreise: z.B. an/ab per Deutsche Bahn
Ausrüstung: Trekkingrad oder Mountainbike,
Fernglas + Fotoapparat empfehlenswert

Meine Radtour von Lutherstadt Wittenberg nach Torgau auf dem Elberadweg zum Nachradeln und inklusive GPS-Daten zum Download:

Gesamtstrecke 73.064 m
Höchster Punkt 111 m | Niedrigster Punkt 68 m
Gesamtanstieg  832 m | Gesamtabstieg -814 m
Gesamtzeit (inkl. Pausen) ⏰ 06:35 h:min
⇓ Download als GPX-Datei »

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