Draussenlust.de • Wandern, Radfahren, Freisein.

Drachenfliegen lernen in Südfrankreich

Den Traum vom Fliegen träumen viele! Sich einmal im Leben wie ein Vogel, aus eigener Kraft in die Lüfte zu erheben und die Welt von oben zu betrachten. Frei zu sein, von den Zwängen der Städte, des Alltags, des Lebens. Diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen, ist gar nicht so schwer, wie ich letzte Woche beim Drachenfliegen lernen in Südfrankreich selbst erlebt habe!

"Mein" Übungs-Drachen mit 18 qm Flügelfläche

„Mein“ Übungs-Drachen mit 18 qm Flügelfläche

Das Drachenfliegen kommt dem „Fliegen wie ein Vogel“ schon recht nahe. Denn man trägt dabei „seine“ Flügel bei sich, trägt den Drachen – oder auch Hängegleiter – auf den eigenen Schultern zum Starthang. Mit kräftigem Anlauf geht es dann hangabwärts und kurz darauf zieht einen der Drachen, mit dem man per Gurt verbunden ist, mit in die Lüfte. Jetzt hängt man ganz leicht und recht bequem im Gurt, steuert den Drachen über die Verlagerung des eigenen Körpergewichts und mittels der Hände, die das Trapez unter dem Flügel (die „Basis“) ergreifen.

Drachenfliegen lernen und Urlaub machen miteinander verbinden

Auch ich hatte schon lange den Traum vom Fliegen. Schon als Kind in der DDR war ich begeistert von allem was fliegt, ob Düngerflugzeug, Militärhubschrauber oder sowjetischer  Kampfjet. Andere hat der Lärm genervt, ich fand es spannend, den Flugzeugen zuzuschauen und stellte mir vor, wie aufregend es als Pilot sein muss, so ein Ding zu fliegen. Ich habe Bilder gesammelt, mich später an Landebahnen gestellt und mich als Jugendlicher lange mit Flugsimulation am PC beschäftigt. Beruflich ist es dann bei mir etwas anderes geworden, als Pilot. Begeistert von Flugzeugen, Hubschraubern und der allgemeinen Luftfahrt bin ich nach wie vor!

Über das Programm des Hochschulsports der Uni Hamburg, über den ich als nicht-studierender Gast bereits an einigen Wanderungen teilgenommen habe, bin ich im letzten Jahr auch auf das AngebotDrachenfliegen lernen“ aufmerksam geworden. Und da hat es mich gepackt! Die Vorstellung, in so einer Traumgegend wie Südfrankreich Urlaub zu machen und auch noch Drachenfliegen zu lernen, in kurzer Zeit, in einer schönen Herberge, gemeinsam mit anderen „Abenteurern“ und für wenig Geld, fand ich sehr aufregend. Und so war die Buchung für den Schnupperkurs und die schöne Unterkunft direkt beim Ehepaar Dewess schnell erledigt.

Letzte Woche war es dann endlich soweit und ich muss sagen: Meine Erwartungen und Vorstellungen wurden nicht enttäuscht. Im Gegenteil, sie wurden sogar weit übertroffen! Gemeinsam mit 17 anderen, meist jüngeren Teilnehmern (naturgemäß viele Studenten), reiste ich am Samstag Abend in Compeyre bei Millau an. Begrüßt und empfangen wurden wir von Ruth und Jürgen Dewess, unseren Gastgebern, „Herbergseltern“ und unserem Ausbildungsleiter (Jürgen) in Person. Wir wurden mit der Gruppe, dem schönen Haus („Gite de Cabrieres„) und den „Spielregeln“ vertraut gemacht.

Der Traum vom Fliegen wird Wirklichkeit

Und dann ging es Sonntag früh – mit „früh“ meine ich auch „früh“, um 6 Uhr wurden wir geweckt – das erste Mal mit 3 Drachen an den Übungshang. Der frühe Vogel fängt den Wurm, trifft es hier ganz gut, denn morgens steht der Wind für Anfängerübungen am Übungshang sehr gut. Im besten Fall hat man leichten Hangaufwind. Wir lernten, wie man den Drachen aufbaut, behandelt und ihn richtigerweise auf den Schultern trägt, um starten zu können. Gar nicht so einfach, auch wenn er NUR ca. 20 kg wiegt. Aber bei bis zu 18 qm Flügelfläche und leichtem Wind, wird auch das simple Aufrichten und Tragen für einen Anfänger zur Herausforderung!

Am nächsten Morgen konnten wir wegen schlechten Wetters nicht an den Hang und so gab es von den Fluglehrern Ines und Johannes ein paar Theoriestunden in Drachenflieger-Technik, auch spannend! Nachlesen konnte man alles im Begleitskript, das jeder Teilnehmer bekam.

Da die Ausbildung „Drachenfliegen lernen“ nur vormittags stattfindet, war an den Nachmittagen genug Zeit für Aktivitäten in der felsigen Umgebung von Millau und den Schluchten der Tarn („Gorges du Tarn„). Neben Wandern boten sich hier freies Klettern, Klettersteig klettern, Kayak oder Kanu fahren, Höhlenbesichtigung oder Tandemfliegen mit erfahrenen Drachenfliegern oder Paraglidern an. Jede Menge Möglichkeiten, bei wenig Zeit 😉 Den Klettersteig („Via Ferrata de Liaucous“), die vertikale Höhlenbesichtigung und den Tandemflug mit Joel dem Paraglider vom Hausberg Millaus, kann ich sehr empfehlen!

An den folgenden Flugtagen, war das Wetter wieder gnädiger mit uns und wir lernten bei ersten Lauf- und Startübungen den Drachen zu beschleunigen und zu kontrollieren. Die ersten von uns hoben dabei bereits einige Dezimeter vom Boden ab. Da ich „kräftiger gebaut“ bin als der Rest der Truppe war (ca. 110 kg auf 1,95 m), tat ich mich anfangs etwas schwerer mit dem Abheben. Merke: Je schwerer der Flieger, desto größer muss die Flügelfläche des Drachens sein! (Mein Drachen hatte 18 qm.) Und: Je schwerer Drachen und Flieger zusammen, desto schneller muss der Flieger mit dem Drachen den Hang hinunterrennen, um (bei gleichen Windverhältnissen) abheben zu können!

Aus eigener Kraft vom Boden abheben – ein „erhebendes“ Gefühl

Irgendwann war ich dann aber soweit und hob ab: Ein im wahrsten Sinne „erhebendes“ Gefühl! Plötzlich verliert der Drachen sein Gewicht und nimmt „dich an die Leine“, mit sich in die Lüfte. Alles wird ganz leicht, die Füße verlieren den Kontakt zum Boden, der Wind strömt vorbei. Toll! In diesem Stadium dauert der Flug lediglich 3-5 Sekunden, aber immerhin.

Wenn nur die Landung nicht wäre: Immer und immer wieder landete ich auf den Knien, die mit Schützern wohlweislich gepolstert waren. Und jedesmal musste der Drachen kräftezehrend wieder den Übungshang hinauf getragen werden. Jedesmal ein paar Meter höher am Hang, der in etwa die Form einer Puddingschale hat – nach oben zunehmend steiler! Puhh…

Am letzten Flugtag, dem Freitag der Ausbildungswoche, gelang mir dann endlich, was mir die Drachenflieger-Taufe einbrachte: Nach einem guten Start und einem relativen Geradeaus-Flug, landete ich mit annehmbarer Geschwindigkeit wieder im Stand auf meinen Füßen, der Drachen unversehrt am Boden! (Leider habe ich davon kein Video. 🙁 ) Mein Kursziel und mein Traum vom Fliegen hatten sich verwirklicht. Ich war tatsächlich aus eigener Kraft geflogen und wieder sicher gelandet! Für mich war einfach schön zu spüren, was ich, mit einiger Anstrengung, Organisation und Initiative, vor allem aber mit Willen und Konzentration, im Stande bin umzusetzen. Eine wunderbare Erfahrung!

Und so sieht es etwa mit 2 Wochen Übungserfahrung aus (nicht ich):

Am letzten Abend der Ausbildungswoche, ließen dann alle „getauften“ Piloten eine Runde Sekt springen und gemeinsam mit unserer Fluglehrern Ines und Johannes sowie Ruth und Jürgen stießen wir auf eine tolle und erlebnisreiche Woche an!

Ich habe mir bereits fest vorgenommen, im nächsten Jahr noch einmal zum Drachenfliegen lernen nach Südfrankreich zu fahren, um dort meine Kenntnisse auszubauen und vielleicht sogar die Grundausbildung abzuschließen. Mal schauen, wo man rund um Hamburg Drachenfliegen kann?! Es scheint ja Möglichkeiten zu geben… 😉

2 Kommentare zu “Drachenfliegen lernen in Südfrankreich

  1. Jürgen Lange

    Hallo Alex,
    vielleicht kannst Du noch einen Bezug zum Lilienthal-Museum in Anklam herstellen.
    Dort fing ja einmal alles mit ähnlichen Flugversuchen an.
    Und dann noch der Bezug zur Region MV.
    Aus der Geschichte wurde Wahrheit und Realität.
    P.

    1. Alex Autor des Beitrags

      Hi P.,

      danke für Deinen Hinweis! Genau genommen, ist Otto Lilienthal ja in Anklam (M-V) geboren und hat seine späteren Flugversuche an verschiedenen Stellen in Deutschland durchgeführt, soweit ich weiß. U.a. hat Lilienthal Flugversuche in Stölln am Gollenberg im heutigen Sachsen-Anhalt durchgeführt und ist später dort auch verunglückt. Ob er wirklich auch in oder bei Anklam geflogen ist, kann ich hier nicht herauslesen.

      Viele Grüße
      Alex

Deine Meinung? Kommentiere jetzt: