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Trekking in Kolumbien: Wanderung zur „Verlorenen Stadt“ (Tag 2 von 4)

Trekking in Kolumbien: Im folgenden Artikel geht es um die 2. Tagesetappe auf der Wanderung zur „Verlorenen Stadt“ in Kolumbien – der „Ciudad Perdida“. Heute wird es deutlich anstrengender, als am ersten Tag, denn es sind knapp 15 Kilometer und ordentlich Höhenmeter zu überwinden – bei tropischen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit! Also: Wanderstöcker geschnappt und los geht´s!

Aussicht von einem Rastplatz am Trail auf die Sierra Nevada de Santa Marta

Aussicht von einem Rastplatz am Trail auf die Sierra Nevada de Santa Marta

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Nach dem Wecken gegen 5:00 Uhr und einem ordentlichen Frühstück, das der Begleitkoch zubereitet hat, geht es gegen 6:00 Uhr von den „Cabana Adán“ los in Richtung Süden. Der frühe Aufbruch macht die Temperaturen noch erträglich, dennoch ist die Luftfeuchtigkeit hoch. Das erste Wegstück (ca. 3 km) wird schon einmal herausfordernd steil und man tut gut daran, den Großteil zu meistern, bevor die Sonne über die Hügel gelangt. Denn dann wird es schlagartig heiß! Durch die unwegsamen Wege, das drückende Klima und die Anstiege kommt man hier generell nur auf eine durchschnittliche Gehgeschwindigkeit von 3,0 – 3,5 km/h.

Nach knapp 3 km folgt die erste Pause und es gibt erfrischendes Obst und Wasser von den Guides. Und nach jedem Aufstieg folgt ein erleichternder Abstieg, der den Körper und vor allem die Knie aber auch fordert. Wunderbare Ausblicke auf die umgebende Regenwald-Kulisse, entschädigen hin und wieder für die Strapazen des Weges. Immer wieder machen tief verfurchte oder extrem schlammige Abschnitte das Fortkommen zur Qual. Und auch die Mulas geben den Wegen mit ihren Hufen den Rest. Glück für den, der vor dem Trekking in Kolumbien an Wanderstöcker gedacht oder sich rechtzeitig einen Stock geschnitzt hat! Die Guides sind auch dabei behilflich.

Gegen Mittag erreicht man endlich den „Rio Buritaca“ am Camp kurz hinter dem „Pueblo Indigena“ (indigenes Dorf der Tairona), an dem man in respektvollem Abstand vorbeigeht. Der Guide erläutert die Lebens- und Bauweise der Indigenen, die auch heute noch in kleinen Gruppen hier leben und offiziell Coca für den Eigenverbrauch anbauen dürfen. Generell wirken sie aber eher scheu, was vielleicht auch an der Kommunikationsbarriere liegen mag.

Am Camp gibt es anschließend ein kräftiges Mittagessen, das der Begleitkoch zubereitet. Doch bevor es soweit ist, solltest Du die Gelegenheit nutzen, Dich in den Fluten des Rio Buritaca zu erfrischen. Wahrscheinlich muss man Dir das jetzt aber nicht zweimal sagen… 😉

Nach einer kurzen Siesta, geht es auf den zweiten Abschnitt der Tagesetappe, zunächst über Stock und Stein entlang des Flusses, den man schon früh über eine abenteuerliche Hängebrücke überquert. Am besten geht hier jeder allein hinüber und wirft einen Blick auf die reißenden Fluten unter ihm! Danach folgt zwischen Kilometer 9,5 und 11,3 ein weiterer steiler, aber der letzte große Anstieg (+350 Hm) des Tages. Diesen Bergrücken gilt es zu überqueren, um im Anschluss wieder hinab in Richtung Rio Buritaca zu wandern.

Der Rio Buritaca bietet mittags eine willkommene Gelegenheit sich abzukühlen

Immer in Rufweite des Flusses, dessen Rauschen jetzt permanent vernehmbar ist, geht es tiefer in den Regenwald hinein. Mit Glück bleibt es trocken, aber i.d.R. setzt zumindest in der Regenzeit gegen etwa 16 Uhr Regen ein, anfangs leicht, später stärker. Ein ohrenbetäubendes Rauschen erfüllt dann den Wald, binnen weniger Minuten, rinnt das Wasser in immer breiteren Rinnsalen die Wege hinunter. Diese werden schnell schlammig und rutschig, Konzentration und Halt sind jetzt gefragt! Wer bis jetzt noch nicht nass war, wird es spätestens jetzt und auch die Wanderstiefel werden nun einer harten Probe unterzogen.

Denn noch einmal muss der Rio Buritaca heute überquert werden! Wer mutig ist, kann dies bei kniehohem Wasser noch zu Fuß (wir behielten dabei unsere Schuhe gleich an, weil eh egal 😉 ) oder wahlweise, bei höherem Wasserstand, mit der links vom Weg hängenden 1-Personen-Seilbahn tun. Wie man auch wählt, es wird auf jeden Fall ein Abenteuer! Und gerade in Regen und Schlamm, fragt man sich so manches Mal, warum man sich dieses „infierno verde“ („Grüne Hölle“) eigentlich antut…

Aber die Spannung reißt auch nach der Flussdurchquerung und auf dem letzten Stück bis zum „rettenden Camp“ nicht ab. Denn entlang des (in unserem Fall reißenden) Flusses zur linken und der Felsen zur rechten Hand, geht es einen abenteuerlichen Pfad hinauf und hinab. Über Felsen, Holzstege und kleine Wasserbecken oder das Flussbett selbst, kämpft man sich voran, bis man irgendwann erschöpft das heutige Tagesziel, die „Cabana Paraiso“ erreicht. Hier trifft man schnell auf jede Menge gleich gesinnte und erschöpfte Backpacker, die alle froh sind, eine weitere Etappe auf dem Weg zur „Verlorenen Stadt“ gemeistert zu haben.

Trekking in Kolumbien ist Abenteuer pur

Wer schnell ist, ergattert jetzt eine der begehrten (und sauberen) Matratzen im weiter hinten gelegenen Gebäude. Wer mag, kann hier aber auch eine der zahllosen Hängematten wählen und dort sein eigenes kleines Quartier beziehen. In jedem Fall wird es voll, aber schlafen müssen nach den Strapazen des Tages auch alle! Und so geht, nach einem zünftigen Abendessen und dem Erzählen der Geschichten des Tages in der Gemeinschaftsküche, irgendwann auch das letzte Stirnlampenlicht aus… Gute Nacht! Morgen früh um 6:00 Uhr geht´s gleich nach dem Frühstück hinauf zur „Verlorenen Stadt“

Mein Fazit: Trekking in Kolumbien kann sehr herausfordernd und anstrengend sein, wie man spätestens an Tag 2 der 4-Tages-Tour zur „Verlorenen Stadt“ am eigenen Leib zu spüren bekommt! Dennoch lohnt sich jede Strapaze, denn man bewegt sich in wunderbarer Regenwaldlandschaft und in einer unbeschreiblichen Pflanzenfülle.

 

Schwierigkeit: mittel bis sehr schwer (Gesamttour),
nur für geübte Wanderer;
sehr gute Grundkondition erforderlich
Länge: ca. 15,3 km
Gehzeit: ca. 5 – 6 h
Höhenmeter: + 890 m, – 470 m
An-/Abreise: Fortsetzung von Etappe 1
Ausrüstung: im Rucksack/am Körper:

Wasser (2 l), Insektenschutz,

Sonnenschutz LSV50, Zip-Hose,

Funktionsshirt, Schirmmütze/Tropenhut,

knöchelhohe (wasserfeste) Wanderschuhe,
Wandersocken, Pflaster, Wanderstöcker,

Regenschutz für Rucksack,

1-2 Plastiktüten im Rucksack,

pers. Medikamente, kleiner Proviant (z.B.
Studentenfutter, Schoki = ungünstig),
Bargeld, Klopapier

 

weitere Ausrüstung
(im Rucksack oder wasserfest verpackte
und gekennzeichnete Abgabe an Muli):

für abends: 2-3 frische T-Shirts, Wechsel-

socken, Jogging-Hose, Unterwäsche,
Sandalen, Buch, Spielkarten, Einmal-

waschlappen, Desinfektionstücher/-gel,
Zahnbürste/-paste, Duschgel, Trekking-

handtuch

für nachts: Stirnlampe, Hüttenschlafsack,
Ohrstöpsel, ggf. Schlafbrille

Meine Wanderung zur „Verlorenen Stadt“ bei komoot zum Nachwandern und inklusive GPS-Daten zum Download: https://www.komoot.de/tour/25355860?ref=wtd

Weitere Tagesetappen der Gesamttour:
Tag 1: Trekking in Kolumbien: Wanderung zur „Verlorenen Stadt“ (Tag 1 von 4)
Tag 3: Trekking in Kolumbien: Wanderung zur „Verlorenen Stadt“ – Ciudad Perdida (3/4)

Tipp: Du möchtest mit dem Wandern beginnen? Lies zuvor meine 10 Tipps für Wander-Einsteiger und dann sollte eigentlich nichts schief gehen!

Frage? Anregung? Schreib mir: