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Rauszeit: Wandern in St. Peter-Ording

Auf dieser Tour wandern wir über den breiten Sandstrand und durch die weiten Salzwiesen vor St. Peter-Ording. Mit allen Sinnen spüren wir das belebende Klima der Nordsee. Auf geht’s in den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer!

Abendstimmung am Strand von St. Peter-Ording
Abendstimmung am Strand von St. Peter-Ording (am Vortag dieser Wanderung)

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Eine „Rauszeit“ an der Nordsee hat etwas Belebendes – und zugleich Beruhigendes. Die Weite der Landschaft, der breite Horizont, der weite Himmel, die salzig-würzige Luft.

Ich brauchte das. Nach einer turbulenten Zeit in der Großstadt, im Job und in der Familie. Ich hatte einiges zu schultern, einiges erfolgreich erreicht und diverse Herausforderungen lagen noch vor mir. Da macht es für mich meist Sinn, Abstand zu nehmen, um zur Ruhe zu kommen, mich zu sammeln, Gedanken zu ordnen und Kraft zu tanken. Ich selbst kann das vor allem beim Wandern, in Bewegung an der frischen Luft, unter dem weiten, freien Himmel des Nordens – und so ging ich wandern in Nordfriesland, genauer in St. Peter-Ording.

Abendstimmung vor St. Peter-Ording
Abendstimmung vor St. Peter-Ording (am Vortag dieser Wanderung)

Los geht´s: Wandern in St. Peter-Ording

Die folgende Wanderung ist im Grunde eine Rundwanderung und kann prinzipiell an jedem Ortsteil von St. Peter-Ording gestartet werden. Denn der bekannte Nordsee-Badeort besteht eigentlich aus 3 ehemals eigenen Dörfchen, das sind von Nord nach Süd: Ording, St.Peter (hieß früher mal Ulstrup) und Böhl. Dem Ort im Westen vorgelagert ist der einmalig breite Sandstrand (bis zu 1,5 km!) vor der hügeligen Dünenlandschaft. Und den erkundete ich zuerst.

Die riesige Strandfläche vor St. Peter-Ording
Die riesige Strandfläche vor St. Peter-Ording

Bei bestem Wetter startete ich in Ording und wanderte zunächst auf dem Deich nordwärts, bis ich kurz hinter dem Ortskern von Ording den hölzernen Strandzugang erreichte. Über den enterte ich den – hier besonders breiten – Sandstrand, der auch von vielen Hundebesitzern genutzt wird.

Die Dimension, die sich mir jetzt eröffnete, ist zumindest in Deutschland einmalig: Weit und breit nur „Sandfläche“ und Himmel, in der Ferne das Rauschen des Meeres, ein paar kreisende Möwen. Um bis zur Brandung zu gelangen, hatte ich jetzt mindestens 1.000 m (!) zurückzulegen. So einen breiten Strand kannte ich selbst von meiner alten Heimat Usedom nicht. Einfach großartig! Dort angelangt, ging ich gemächlich südwärts in Richtung der am Horizont auftauchenden Pfahlbauten.

Strand, Dünen und Salzwiesen gehören zum geschützten Wattenmeer

St. Peter-Ording liegt im „Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer“. Dessen einzigartige Flora und Fauna, bedingt durch den stetigen Wechsel von Ebbe und Flut, ist seit mehr als 30 Jahren geschützt durch den Status „UNESCO-Weltnaturerbe“, zu Recht wie ich finde. Wo sonst auf der Welt findet man solch eine reiche Komposition aus sich ständig verändernder Landschaft sowie Meerestier-, Vogel- und Pflanzenwelt? Auch wenn der Strand hier auf den ersten Blick eher „karg“ wirkt – wer genau hinschaut und sich einen Augenblick lang Zeit nimmt, wird viele eigenartige Spuren dieser Welten finden.

Wasserpflanze am Strand von St. Peter-Ording im Wattenmeer
Wasserpflanze am Strand von St. Peter-Ording im Wattenmeer

Vorbei an der aufgestelzten Strandbar „54° Nord“ (Einkehr & Toiletten möglich) ging es weiter südwärts. Die Pfahlbauten liessen mich erahnen, wie die Brandung hier bei entsprechender Sturmflut zuschlägt. Man wird froh sein, dann noch 1 bis 2 Meter „Luft“ unter dem Haus zu haben, mulmig zu Mute wäre mir in jedem Fall und Landgang wohl vorerst nicht mehr drin! Brrr…

Weiter südlich wird der Strand unwesentlich schmaler, Strandsegler zogen hier ihre flotten Bahnen. Irgendwann erreichte ich die Pfahlhütte „Arche Noah – spätestens bekannt seit „Gegen den Wind“, der kultigen 90er-Surfer-Serie mit Ralf Bauer. Hier gönnte ich mir einen Gedenk-Kaffee und genoss auf der Terrasse das gute Wetter. Da es März und mitten in der Woche war, war die nur wenig besucht. Gut so.

Ich verließ den Strand über den ellenlangen Holzsteg in Richtung St. Peter-Bad, dem touristischen Zentrum des Badeort-Ensembles. Aber das war gar nicht mein Ziel. Denn kurz vor dem Trubel bog ich rechts auf den Deich ab und nahm sogleich die Treppe hinab zum schmalen Pfad in die Salzwiesen.

Durch die Salzwiesen führt ein Wanderweg

Trotz des nassen, glitschigen Weges und der dafür definitiv falschen Schuhe, kämpfte ich mich voran. Bald hatte ich nasse Füße, egal. Links und rechts von mir emsiges Vogelgezwitscher. Hier war der Frühling im vollen Gange, zu sehen war wenig, zu hören umso mehr!

Die Salzwiesen bilden den Übergang zwischen Meer und Land. Sie werden jährlich bis zu mehrere hundert mal von Salzwasser überflutet und stellen damit ganz besondere Anforderungen an die darin lebenden Pflanzen und Tiere. Das Meerwasser dringt über die Priele in das Watt ein und bringt Schwebteilchen mit – und Salz, daher der Name. Auch dies ist ein besonderer Lebensraum, also bitte möglichst die Wege nicht verlassen!

Irgendwann erreichte ich eine asphaltierte Straße und knickte in Richtung Meer ab. Vorbei an „Axels´s Strandhütte“ (Einkehr & Toiletten möglich) und der Badestelle von St. Peter-Dorf ging ich in Richtung der hölzernen Brücke über einen Priel. Einen kurzen Augenblick schaute ich mich um, genoss den herrlichen Himmel, das weite Panorama und die würzige Luft.

Die Natur in sich aufsaugen

Nun sollte es für mich zurück an den Deich gehen. Ich folgte dem geraden Weg dorthin. Kurz vor Erreichen des Deiches, stand rechts neben dem Weg eine kleine Bank, etwas versteckt hinter Strandgebüsch – ein Refugium. Hier ließ ich mich einen Augenblick nieder und genoss die herrliche Nachmittagssonne, windgeschützt, ungestört. Herrlich die Natur mit allen Sinnen in sich aufzusaugen!

Wandern in St. Peter-Ording - Auf dem Deich vor St. Peter-Bad
Wandern in St. Peter-Ording – Auf dem Deich vor St. Peter-Bad

Diese Wanderung hatte definitiv etwas bei mir bewirkt. Ich war entspannt, beruhigt, ja beseelt von der Ruhe und Weite der Nordsee-Landschaft. Wie klein meine Sorgen, Nöte und Zweifel doch wurden, im Angesicht solch natürlicher Größe und Anmut. Und welche Kräfte dies in uns Menschen doch erweckt. Sind wir eigentlich gemacht für ein Leben zwischen 4 Wänden?

Über den asphaltierten Deich ging ich schließlich zurück nach St. Peter-Bad, die Gewissheit im Gepäck, dass diese „Rauszeit“ genau zum richtigen Zeitpunkt kam und bereits ihre Wirkung entfaltete…

Mein Fazit: Wandern in St. Peter-Ording kann kaum schöner sein! Der breite Sandstrand, das rauschende Meer, der weite Horizont, der kräftige Wind und die würzige Luft sind Balsam für die Seele. Zudem wanderst Du durch das Wattenmeer, einer einzigartigen, natürlichen Landschaft – also, worauf wartest Du?

 

Schwierigkeit: leicht, auch für ungeübte Wanderer
Länge: ca. 16 km
Gehzeit: ca. 3,5 – 4 h
Höhenmeter: + 50 m, – 50 m
An-/Abreise: z.B. mit der DB bis/ab St. Peter-Ording
Ausrüstung: keine besonderen Anforderungen,
Fernglas + Fotoapparat empfehlenswert

Wandern in St. Peter-Ording zum Nachwandern und inklusive GPS-Daten zum Download:

Gesamtstrecke 16.178 m
Höchster Pkt. 1 m | Niedrigster Pkt. -23 m
Anstieg Σ  45 m | Abstieg Σ -45 m
Gesamtzeit (inkl. Pausen) ⏰ 05:25 h:min
⇓ Download als GPX-Datei »

 

💡 Tipp 1: Wenn Du mehr über das Weltnaturerbe Wattenmeer und seine Bewohner erfahren möchtest, dann empfehle ich Dir einen Besuch im sehenswerten Multimar Wattforum” in Tönning (25 km östlich von St. Peter-Ording).

 

💡 Tipp 2: Eine vergleichbar schöne “Rauszeit” an der Nordsee inkl. Wanderung kannst Du auch erleben bei einem Kurztrip auf die Hallig Hooge!

 

💡 Tipp 3: Du möchtest mit dem Wandern beginnen? Lies zuvor meine 10 Tipps für Wander-Einsteiger und dann sollte eigentlich nichts schief gehen!

3 Kommentare zu “Rauszeit: Wandern in St. Peter-Ording

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