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Wanderung im Lassaner Winkel vor der Insel Usedom

Auf dieser Wanderung lernst Du einen wunderschönen, dünn besiedelten Landstrich abseits der großen Touristenströme der Insel Usedom kennen. Dabei geht es durch Wald und Flur, vorbei an kleinen Seen und verschlafenen Dörfern – willkommen im Lassaner Winkel!

Wanderung im Lassaner Winkel - hier am Kleinen See bei Lassan

Wanderung im Lassaner Winkel – hier am Kleinen See bei Lassan

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Die Kleinstadt Lassan liegt im Osten Mecklenburg-Vorpommerns am Peenestrom und auf dem Festlandgürtel gegenüber der Insel Usedom – vor deren Bauch sozusagen. Sie ist mit knapp 1.500 Einwohnern eine der kleinsten Städte des Landes und entsprechend ruhig und verschlafen geht es dort zu.

Wanderung im Lassaner Winkel vor der Insel Usedom

Für mich, gebürtig aus Wolgast, ca. 10 km Luftlinie nördlich gelegen und „deutlich“ größer, war Lassan in meiner Kindheit und Jugend immer so etwas wie die kleine, verkorkste Schwester von Wolgast. Man hörte nur Schauriges: Leute prügelten sich bei Dorffesten, Morde sollen geschehen sein, die Bewohner galten allgemein als etwas „hinterwäldlerisch“ und „ackerbürgerlich“. Eine No-Go-Area.

Da die Stadt schon damals abseits unserer Hauptbewegungsachsen zwischen Wolgast, Greifswald, Anklam und der Insel Usedom lag, kamen wir auch nie wirklich in Verlegenheit, uns das Gegenteil von alledem zu beweisen. Es war für mich also an der Zeit, mit diesen Vorurteilen aufzuräumen!

Gemeinsam mit meinem Vater brach ich also an diesem herrlichen Juli-Samstag auf, um den Lassaner Winkel, wie die Gegend um Lassan herum neuerdings touristisch vermarktet wird, wandernd zu erkunden. Westwärts ging es zunächst auf einem von Pflaumenbäumen gesäumten Feldweg in Richtung Papendorf und „Papendorfer“ sowie „Pulower See“. Von denen hatten wir schon gehört und die wollten wir entdecken. Hinter Papendorf stießen wir aber zunächst auf den „Kleinen See“, der mit seinen abgestorbenen Bäumen am Uferstreifen eine tolle, landschaftliche Kulisse bot.

Etwas weiter folgte der größere „Papendorfer See“, der von Baumbestand völlig umwachsen ist. Hier tummelten sich nur einige Angler, die ihr Glück versuchten. Baden wäre hier auch möglich gewesen, wir hoben es uns allerdings für später auf – zu Recht! Am steilen Südrand des „Pulower Sees“ ging es weiter über ein gerade abgeerntetes Kornfeld und hinein in den Papendorfer Forst, ein größeres Waldgebiet zwischen Papendorf und dem Örtchen Murchin im Westen. Hier waren wir jetzt allein mit uns und der Natur, kein Mensch weit und breit, nur Vogelgezwitscher und Insektengewimmel! Vier Rehe, die wir wohl gestört hatten, sprangen aufgeregt über unseren Weg. Auf einer kleinen Lichtung rasteten wir.

Dieser Landstrich gehört zu den am dünnsten besiedelten in Vorpommern

Kurz vor Lentschow verließen wir das Waldstück wieder und überquerten die Landstraße, die Lassan mit Murchin verbindet. Eine Kastanienallee wies uns nun den Weg durch das Dorf. Allmählich wurde uns warm und die Mittagshitze steigerte rapide unser Verlangen nach einer Abkühlung. In Wangelkow am „Großen See“ (auch „Pinnower See“) wollten wir es versuchen. Doch bis dahin hatten wir noch knapp 2 km Sandweg vor uns, der uns hindurchführte durch diese sanft hügelige Moränenlandschaft aus der Weichseleiszeit.

Hinter dem Wäldchen ging es an der Kreuzung dann rechts ab und Wangelkow, dem Anschein nach eher eine Siedlung aus 5 bis 6 von Aussteigern bewohnten Häusern, lag vor uns. Am südlichen Ortsrand nahmen wir den kleinen Weg, der in östliche Richtung zum etwas versteckten, bewaldeten Ufer des „Großen Sees“ führt. Dieser Waldsee lud uns mit seinem idyllischen und menschenleeren Panorama geradezu ein, hier schwimmen zu gehen. Und so ließen wir uns nicht lange bitten, schließlich lockte endlich die erhoffte Abkühlung und eine Pause für die Füße. Herrlich!

Nach der Erfrischung nahmen wir den Feldweg in Richtung Jamitzow. Links in der Ferne konnten wir schon den Turm der Lassaner Kirche entdecken, unser Ziel dieser Rundwanderung. Zunächst wollten wir aber über Jamitzow nach Buggenhagen und zum dortigen Schloss wandern.

Im verschlafenen Jamitzow fiel uns das riesige Gemeindehaus an der Hauptstraße auf, das heute auch die Feuerwehr beherbergt. Was das wohl früher einmal war? Niedlich war zudem das quadratische Häuschen im Hof mit seiner „Wichtelmütze“ – irgendwie viel Dach für wenig Haus, fanden wir (beide von Haus aus Ingenieure). Auf der Freileitung an der Dorfstraße hatten sich an diesem Nachmittag jedenfalls gefühlt alle Schwalben der Gegend zu einem Schwätzchen verabredet, mehrere hundert wenigstens. Die wirkten gar nicht so verschlafen!

Das Schloss Buggenhagen war früher einmal Herrenhaus und ist heute ein Museum

Über einen schmalen Verbindungsweg am Ostende von Jamitzow, ging es nun zum Schloss nach Buggenhagen, das heute ein Museum für „zeitgenössische internationale Kunst“ beherbergt und sich in privatem Besitz des Kunsthistorikers Till Richter befindet. Dieser lädt jedes Jahr junge Künstler hier her ein, um zu arbeiten und die eigenen Werke im Anschluss auszustellen. Früher, konkret bis 1945, diente das Schloss, das eigentlich ein ehemaliges Herrenhaus ist, der Adelsfamilie „von Buggenhagen“ als Wohnsitz. Die Gutsanlage und das Schloss liegen sehr idyllisch in einer parkähnlichen Umgebung inkl. Schlosssee, zu den Öffnungszeiten des Museums kann man auch die Außenanlage besichtigen.

Nach einem kurzen Schwatz mit dem Schlossherrn, mussten wir allerdings weiter, die letzten 3 km zurück nach Lassan lagen schließlich noch vor uns! Von Buggenhagen aus nahmen wir nun nicht den direkten Weg über die Lassaner Straße, sondern den Feldweg in Richtung des kleinen „Berliner Sees, ca. 1 km östlich von Buggenhagen. Laut meinem Vater war ich schon vor ca. 35 Jahren als Kleinkind einmal mit meinen Eltern an diesem See, erinnern konnte ich mich allerdings nicht. An diesem Tag war die kleine Badestelle jedenfalls recht gut besucht und so zog es uns weiter in Richtung Lassan.

Der gerade Feldweg war durch die anhaltende Trockenheit der letzten Wochen sandig und entsprechend mühsam zu gehen. So zogen sich die letzten 2 km bis zum Ende unserer Wanderung am Lassaner Marktplatz etwas in die Länge. Vorbei an der alten Lassaner Mühle, gelangten wir schließlich erschöpft dort an und hatten entsprechend Lust auf eine kleine Stärkung!

Die einladende, kleine „Lassaneria“ am Lassaner Marktplatz, weckte sofort unser Interesse. „Heute Dresdner Eierschecke“ stand auf dem Schild vor dem kleinen Café, gemütliche Bänke luden uns ein, unsere müden Knochen bei Kuchen und Café zu entspannen. Das Programm auf dem Flyer der Lassaneria verriet uns, dass hier regelmäßig für Kultur gesorgt und einiges auf die Beine gestellt wurde – von Kräuterwanderungen, über Lesungen bis zu Kneipenabenden. Gemeinsam mit Nachbargemeinden, hatte man unter der Bezeichnung „Lassaner Winkel“ seine touristischen und kulturellen Anstrengungen gebündelt. Ein neuer, sanfter Tourismus war entstanden.

Wir resümierten, dass Lassan in den vergangenen 30 Jahren sein Antlitz offensichtlich verändert hatte, offener geworden war und vermeintliche Schwächen, wie geografische Abgelegenheit zu Stärken gewandelt hatte. Vorurteile adé…

Mein Fazit: Landschaftlich tolle Wanderung im Lassaner Winkel gegenüber der Insel Usedom. Wer die einsame, dünn besiedelte Weite Vorpommerns, mit ihren kleinen Wäldern, Seen und Dörfchen erleben möchte, ist hier genau richtig!

 

Schwierigkeit: leicht, für geübte Wanderer;
gute Grundkondition erforderlich
Länge: ca. 21 km
Gehzeit: ca. 4– 4,5 h
Höhenmeter: + 160 m, – 160 m
An-/Abreise: z.B. mit dem Auto über die
Autobahn A20 > AS Anklam >
bis Anklam und über Murchin weiter
nach lassan
Ausrüstung: keine besonderen Anforderungen,
Fernglas + Fotoapparat empfehlenswert

Meine Wanderung im Lassaner Winkel vor der Insel Usedomzum Nachwandern und inklusive GPS-Daten zum Download:

Gesamtstrecke 21.068 m
Höchster Pkt. 52 m | Niedrigster Pkt. -23 m
Anstieg Σ  665 m | Abstieg Σ -665 m
Gesamtzeit (inkl. Pausen) ⏰ 06:52 h:min
⇓ Download als GPX-Datei »

💡 Tipp 1: Eine tolle Wanderung auf der Insel Usedom ist auch die Lieper-Winkel-Runde!

💡 Tipp 2: Du möchtest mit dem Wandern beginnen? Lies zuvor meine 10 Tipps für Wander-Einsteiger und dann sollte eigentlich nichts schief gehen!

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