Draussenlust.de • Wandern, Radfahren, Freisein.

Wandern in Kolumbien: Aufstieg zur heiligen Lagune „Iguaque“

Eine Vielzahl von Nationalparks und Naturschutzgebieten in den unterschiedlichsten klimatischen Regionen des Landes, macht das Wandern in Kolumbien zu einem lohnenswerten Unterfangen! Auf dieser schönen Wanderung, geht es in das „Santuario de fauna y flora Iguaque„, also das Naturschutzgebiet „Iguaque“ und zur gleichnamigen, heiligen Lagune auf fast 3.600 m Höhe.

An der heiligen Lagune "Iguaque"

Das Ziel der Wanderung: An der heiligen Lagune „Iguaque“

Zur Übersichtskarte dieser Tour »

Das Naturschutzgebiet „Iguaque“ liegt in der „Cordillera Oriental“, der östlichen der 3 Andengebirgsketten, die Kolumbien von Süd nach Nord durchziehen. Es befindet sich nur 1 Autostunde nordöstlich vom hübschen und alten Kolonialdorf „Villa de Leyva entfernt, das fast jeder Besucher Kolumbiens auf seiner Reiseliste stehen haben dürfte. Damit bietet es eine attraktive Möglichkeit für einen Tagesausflug abseits des Dorfes.

Um zum Startpunkt zu gelangen, mietet sich man am besten bei einer lokalen Agentur einen Pickup samt Fahrer und lässt sich bis zum Visitor Center des Santuarios fahren, wo die Wanderung hinauf zur Lagune beginnt. Wichtig ist, dass man für die etwa 4-5 stündige, anspruchsvolle Wanderung genügend Wasser mitnimmt (2-3 l), denn Schwitzen wird man dabei in jedem Fall!

Zunächst ist der Weg bis zum kleinen Gästehaus für etwa 700 m grob befestigt. Danach wird es allerdings zunehmend unwegsamer und (zumindest in der Regenzeit) durch die regelmäßigen Regenfälle auch schlammiger. Es geht dabei anfangs durch einen kühlenden, feuchten Nebelwald und vorbei an kleinen, rauschenden Bächen, was irgendwie verwunschen wirkt. Der Weg steigt gemächlich, aber stetig an, schließlich sind insgesamt knapp 800 Höhenmeter zu überwinden.

Irgendwann ist die Baumgrenze erreicht und man betritt oberhalb von 3.200 m das sog. Páramo. Dieses ist eine spezielle Vegetationszone der Tropen, die vor allem im Gebirge zwischen 3.200 und 4.800 m Höhe vorkommt. Charakteristisch für das Páramo, sind die hier verbreiteten Schopfrosetten, wie z.B. die „Frailejones“ (siehe Foto), die bei 1 m Höhe ca. 100 Jahre alt sind. Ihr Vorhandensein signalisiert ein intaktes Páramo, denn sie sind ein wichtiger Bestandteil dieses empfindlichen Ökosystems. In diesem steinigen Umfeld hier oben, wachsen nun nur noch Gräser und Sträucher.

Wandern in Kolumbien – Aufstieg zur heiligen Lagune „Iguaque“

Über eine steile „Wand“ aus groben Steinen und kleinen Felsen, geht es nun die letzten anstrengenden 250 Höhenmeter hinauf. Hier sollte man sich Zeit lassen und sich auf seine Schritte konzentrieren. Belohnt wird man im Anschluss mit dem abschließenden, recht flachen Wegstück, das um den Rand des Berges herumführt. Von hier oben aus (3.600 m), hat man einen fantastischen Blick auf das Páramo und die umliegende Gebirgsregion, die einem sprichwörtlich zu Füßen liegt.

Schließlich erreicht man die heilige Lagune „Iguaque“, ein kleiner Gebirgssee, eingekreist von den Gipfeln dieser Gebirgskette. Die in diesem Gebiet lebenden „Muisca“-Indianer glaubten, dass an diesem Ort die Menschheit erschaffen wurde. Die Legende besagt, dass eines Tages eine Frau in Begleitung eines kleinen Mannes (kein Kind) aus der Lagune gestiegen sein soll, die später heirateten und aus deren Kinder das Volk der Muisca entstanden ist. Demzufolge ist dieser Ort für die heutigen Nachfahren der Muisca ein heiliger Ort, an dem nach wie vor religiöse Zeremonien stattfinden. Darauf sollte man als Besucher Rücksicht nehmen!

Wanderstöcker sind hier eine gute Idee!

Nach einer Ruhepause geht es den ganzen Weg zurück zum Ausgangspunkt, entsprechend steil und unwegsam wird der Abstieg! Erst hier wird man den wahren Nutzen der mitgebrachten Wanderstöcker zu schätzen wissen (Teleskopstöcker beim Abstieg verlängern und Hände unbedingt aus den Schlaufen nehmen!). Mit etwas Glück erreicht man das Visitor Center ohne Regen während des Abstiegs (Regenzeit), der diesen ansonsten zusätzlich erschwert. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Wanderung morgens bereits gegen 8 Uhr zu starten und oben an der Lagune spätestens um 12 Uhr den Rückweg anzutreten, denn meist setzt der Regen hier gegen 14 Uhr ein!

Mein Fazit: Herausfordernde, aber auch sehr schöne und abwechslungsreiche Wanderung zu einem Heiligtum der Ureinwohner Kolumbiens. Höhenerfahrene Wanderer und Alpinisten haben klare Vorteile, aber auch Flachlandwanderer können diese Tour bei guter Kondition schaffen. Wandern in Kolumbien von seiner attraktivsten Seite!

 

Schwierigkeit: mittel bis schwer, für geübte Wanderer;

gute Grundkondition erforderlich

Länge: ca. 9,5 km (hin + zurück)
Gehzeit: ca. 4 – 4,5 h
Höhenmeter: + 770 m, – 770 m
An-/Abreise: z.B. per Pickup ab Villa de Leyva
Ausrüstung: knöchelhohe Wanderschuhe, Wanderstöcker,
Regen-/Sonnenschutz, 2-3 l Wasser,
Fernglas + Fotoapparat empfehlenswert

Meine Wanderung zum Nachwandern und inklusive GPS-Daten zum Download: 

Gesamtstrecke 9.803 m
Höchster Punkt 3.598 m | Niedrigster Punkt 2.827 m
Gesamtanstieg  1.128 m | Gesamtabstieg -1.118 m
Gesamtzeit (inkl. Pausen) ⏰ 07:35 h:min
⇓ Download als GPX-Datei »

💡 Tipp: Du möchtest mit dem Wandern beginnen? Lies zuvor meine 10 Tipps für Wander-Einsteiger und dann sollte eigentlich nichts schief gehen!

Frage? Anregung? Schreib mir: