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Wie wird die Wander-Welt von morgen aussehen?

Werden wir in 25 Jahren noch wandern gehen? Welchen Einfluss wird die Digitalisierung und Technologisierung des Lebens auf das Wandern haben? Welche Möglichkeiten könnten sich dadurch ergeben? Keine einfachen Fragen! Ein Antwortversuch.

Die Otto Group, mein oberster Arbeitgeber, wirft auf ihrem Unternehmens-Blog aktuell die Frage nach der „Welt von morgen“ auf. Unter dem Titel „#Zukunftsblick – Die Welt von morgen“, gibt es eine Blogparade zu dem Thema, die Mitarbeiter aufruft, darüber in Bezug auf ihr berufliches und/oder privates Leben nachzudenken und ihre Meinung zu veröffentlichen. Dabei geht es im beruflichen Kontext natürlich um Bereiche wie „zukünftige Arbeitswelt“, „Handel“ oder „Logistik und Mobilität“.

Nun, meine berufliche Aufgaben drehen sich ohnehin viel um die Zukunft! Geht es dabei doch meist darum, wie ich Hermes, meinen direkten Arbeitgeber und Otto-Tochter, und seine Produkte an unterschiedlichen, digitalen Kontaktpunkten für Kunden besser und einfacher nutzbar mache. Hier nutze/n ich/wir bereits intensiv moderne, oftmals digital unterstützte Arbeitsmethoden, wie „Agile Software-/Produktentwicklung“, „Design Thinking“, „Data Driven Decision Making“. Oder wir experimentieren mit neuen Technologien wie „Künstliche Intelligenz“, „Sprachsteuerung“ oder „Cloud Computing“. Wir nutzen, was uns nützt und voranbringt. Anderes verwerfen wir wieder.

Wie wird die Wander-Welt von morgen aussehen?

Wie wird die Wander-Welt von morgen aussehen?

Sehr spannend und herausfordernd finde ich gerade aber auch die Frage, wie sich ein verhältnismäßig einfaches und traditionsreiches Hobby wie das „Wandern“ unter dem Einfluss der Digitalisierung entwickeln wird! Wandern hat in meinem privaten Leben seit langem eine größere Bedeutung und ist schließlich auch ein wesentliches Thema dieses Blogs. Weshalb ich dieses Hobby nun gerne einmal einer Zukunftsbetrachtung unterziehen möchte! Ich fange einmal mit der vermeintlich einfachsten Frage an:

Werden wir in 25 Jahren noch wandern gehen?

Warum gehen Menschen heute wandern? Welche Motive treiben sie an? Die einfachste Antwort ist sicher: Weil es ihnen Spaß macht und weil sie die Natur genießen möchten! Sicher, ich glaube aber, es steckt ein wenig mehr dahinter. Viele Mitwanderer, mit denen ich in den letzten Jahren über ihre Motive gesprochen habe, berichteten mir, dass das Wandern für sie vor allem eines ist: Ausgleich. Ausgleich zum Alltag, Ausgleich zum Stress, Ausgleich zur Stadt, Ausgleich zum Lärm, Ausgleich zur Starrheit, Ausgleich zu Krankheiten. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Wandern im Gebirge

Wandern im Gebirge

Menschen suchen m.E. die „ausgleichende“ Bewegung in der Natur und über mehrere Stunden hinweg, wenn sie vorher zu viel von ihrem – höchst individuellen – Gegenteil hatten. Oder präventiv, das geht auch. Sie suchen Entspannung, Perspektivwechsel und Horizonterweiterung. Und so individuell wie Menschen sind, so individuell sind auch ihre Gründe dafür, Ausgleich zu suchen. Das wird sich auch in 25 Jahren nicht verändert haben. Auch dann werden Menschen noch individuellen Stress, einen starren, grauen Alltag oder eine lärmende Stadt empfinden und Ausgleich beim Wandern in der Natur suchen.

Welchen Einfluss wird die Digitalisierung und Technologisierung des Lebens auf das Wandern haben?

Interessant wird sein, wie sich die Digitalisierung auf eine Freizeitbeschäftigung wie das Wandern auswirkt! Betrachtet man beispielsweise die Art, beim Wandern zu navigieren, gibt es m.E. – und etwas zugespitzt – schon heute zwei Lager von Wanderern. Da sind zum einen die Wanderer, die nach konventionellen, also herkömmlichen Methoden wandern, nämlich mit klassischer Karte, Fernglas und manchmal Kompass. Zum anderen gibt es die innovativen Wanderer, die sich digitaler Helfer wie Smartphone inkl. digitaler Karte oder sogar dediziertem GPS-Gerät bedienen.

Konventionelle Wandernavigation

Konventionelle Wandernavigation

Der konventionelle Wanderer, bedient sich klassischer Wanderliteratur, um sich neue Touren und Strecken zu erschließen, wandert eher im Verein, ist dort auch organisiert und hat darüber eine eher feste Wanderkameradschaft.

Der innovative Wanderer, nutzt zur Inspiration für neue Touren oder Strecken stark digitale Medien, einschlägige Blogs oder Communities. Dort erhält er Tipps, lädt Touren auf sein Smartphone, tauscht sich lose mit Gleichgesinnten aus und verabredet sich mit ihnen zum gemeinsamen wandern.

Beide Lager bzw. Herangehensweisen sind m.E. völlig legitim und natürlich durch persönliche Erfahrungen und Neigungen geprägt. Das Lager des innovativen, „digitalen Wanderers“, zeigt jedoch, was bereits heute und in Zukunft noch verstärkt möglich ist. Wissen über Wandertouren, ist heute nicht mehr bei Freizeit-Verlagen oder in Vereinen konzentriert, sondern massiv und weitestgehend kostenlos über Communities wie „komoot“ oder „outdooractive“ sowie Wander-Blogs verfügbar.

Smartphone unterwegs - Alle Tourinfos dank Digitalisierung immer parat

Smartphone unterwegs – Alle Tourinfos dank Digitalisierung immer parat

Und dieses Touren-Wissen ist jederzeit hochaktuell, weil es „digital lebt“, von der Gemeinschaft also geteilt, empfohlen, bearbeitet, angereichert und korrigiert wird. Die Angebote sind jederzeit und überall nutzbar. Ob zu Hause bei der Tour-Vorbereitung auf dem Laptop, oder unterwegs während der Wanderung auf dem Smartphone oder Wearable. Feedback fließt in Form von Fotos, Videos oder GPS-Markern quasi in Echtzeit ein, Zuschauer können die Tour live verfolgen und kommentieren.

Und der moderne „Wanderverein“ ist ein digitaler. Eine eher lose organisierte, informelle Gruppe wechselnder Mitglieder, die über Online-Communities und Social Networks kommuniziert und sich in unterschiedlichen Konstellationen zu eher kurzfristig geplanten Wanderungen zusammenfindet. Kein festes Jahresprogramm, keine Mitgliedsbeiträge, keine Vorstandssitzungen, kaum Vorgaben, keine Verpflichtungen.

„Das Wandern abseits bekannter Trampelpfade wird demokratisiert.“

Man entdeckt online ein spannendes Angebot, schließt sich spontan an, wandert real mit, um danach, im Extremfall, die anderen Teilnehmer nie wieder zu sehen. Auf der anderen Seite lernen sich auf diese Weise Menschen kennen, die sich sonst wohl kaum getroffen, geschweige denn, von ihren gemeinsamen Interessen erfahren hätten. Digitalisierung lässt uns natürliche, räumliche Trennung überwinden. Ich schreibe aus Erfahrung.

In diesem Sinne, könnte die Digitalisierung also deutlich mehr Menschen zum Wandern bringen, als bisher. Denn Wissen – konkret Know-how über schöne Wandertouren – ist online und digital in breiter Masse kostenlos vorhanden und wird sich durch seine Anwendung in Zukunft noch vervielfachen. Zudem senkt das Vorhandensein spezieller, kostenloser Wander-Apps sowie von günstigen Smartphones oder GPS-Geräten die Einstiegshürden ins Wandern.

Allein damit ausgerüstet, kann Jeder schon heute jederzeit losgehen, tolle Routen selbst entdecken, hat – GPS-Empfang vorausgesetzt – Orientierung im Gelände, unabhängig von menschlichen oder gedruckten Wander-Führern oder einer Vereinsmitgliedschaft. Das Wandern abseits bekannter Trampelpfade wird sozusagen demokratisiert. Und dadurch entsteht wiederum neues Wissen usw..

Welche Möglichkeiten könnten sich durch die Digitalisierung ergeben?

Wie oben schon angedeutet, sehe ich die größten Möglichkeiten des Einflusses der Digitalisierung auf das Wandern, in der ständigen Verfügbarkeit und hohen Aktualität von Wissen. Das wird dazu führen, dass ich auch während einer Tour den Wanderpfad in Sekundenschnelle noch spontan umplanen kann, weil mir ein anderer Abschnitt besser gefällt, meine Beine schlapp machen oder das Wetter abrupt schlechter wird. Ich werde also flexibler sein.

Real oder digital?

Real oder digital?

Meine Wander-App auf meinem Smartphone oder auf meiner smarten Brille wird mir in einer Art „People-Radar“ zeigen, wer aus der Online-Community gerade noch die gleiche Strecke vor oder hinter mir geht, oder in der Nähe ist. Ich werde mich noch spontaner verabreden können, um nicht allein wandern zu müssen. Gerade bei Mehrtagestouren eine willkommene Abwechslung.

Zu Sehenswürdigkeiten auf dem Wanderweg, wird mir meine smarte Brille auf Wunsch alle Informationen oder Hinweise liefern, weil sie diese Objekte automatisch erkennt. Komme ich außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten dort an, wird mir der Betreiber, aufgrund meiner guten Online-Reputation und Online-Bezahlung, dennoch Einlass gewähren und ich werde abseits der Besucherströme Ausstellungen o.ä. besuchen können. Ich werde unabhängiger und mündiger sein.

Meine smarte Kleidung wird mich durch ihren Hautkontakt rechtzeitig davor warnen, dass ich auf bestem Wege bin, zu dehydrieren, weil ich mal wieder zu wenig getrunken habe. Meine Wanderschuhe werden mir frühzeitig mitteilen, wenn ihr Innenraumklima zu feucht wird und ich Gefahr laufe, dass Blasen entstehen. Ich werde also in meiner Körper-Achtsamkeit unterstützt werden.

„Wenn Technologie vom Wandern ablenkt […], also Selbstzweck wird, werde ich mich von ihr abwenden.“

Die Kehrseite von all dem könnte jedoch sein, dass das alles zu Lasten von Spontanität und Abenteuer geht. Sind das nicht Dinge, die man gerade in der Freizeit sucht? Wenn ich alles kontrollieren, vorherplanen und in Echtzeit bekommen kann, bleibt die Überraschung, das Ungeplante auf der Strecke. Mit Unvorhergesehenem muss ich dann nicht mehr rechnen. Das kann einerseits beruhigend (Schutz vor Blessuren o.ä.), andererseits auch verstörend („People-Radar“) sein. Und wenn ich beim Wandern ständig mit der Justierung der digitalen Features meiner Helferlein beschäftigt und gar nicht „wandernd präsent“ bin (Stichwort „Stressabbau“), könnte etwas schief laufen!

Letztendlich wird es auch in Zukunft beim Wandern darum gehen, Technologie für sich selbst sinnvoll und den eigenen Bedürfnissen und Neigungen angepasst zu nutzen. Wenn digitale Technologie hierbei Sinn und Spaß macht, mein Tun, Fortkommen und meine soziale Interaktion unterstützt, wird sie viel Nutzen stiften. Wenn sie jedoch vom Wandern ablenkt und gar um meine Aufmerksamkeit buhlt, also Selbstzweck wird, werde ich mich von ihr abwenden.

Mein Fazit: Menschen werden auch in 25 Jahren noch wandern gehen, denn auch in Zukunft werden sie ausgleichende Bewegung in der Natur zu ihren individuellen Stressoren suchen. Je nach Neigung oder Bedürfnis, werden Menschen mehr oder weniger mit Hilfe digitaler Technologie zu Informationen über das Wandern (z.B. Routen-Know-how auf Blogs), zu geeigneten Wanderpartnern (z.B. in Communities) und zum Wandern selbst finden.

Dabei wird wiederum neues Wissen erzeugt, welches zurück an die Communities fließt und sich dort potenziert. Menschen werden individuell entscheiden, welche Technologie und digitalen Helfer für sie beim Wandern sinnvoll sind, weil sie ihnen nützen. Was als sinnlos oder unnötig enttarnt wird, wird deaktiviert.

Und Du? Wie siehst Du dieses Thema? Was glaubst Du wird die Digitalisierung mit dem Wandern als Hobby oder Deinem Leben allgemein machen? Schreib mir gern in den Kommentaren, ich freue mich auf Dein Feedback!  😀 

💡 Tipp: Du möchtest mit dem Wandern beginnen? Lies zuvor meine „10 wichtige Tipps für Wander-Einsteiger„!

2 Kommentare zu “Wie wird die Wander-Welt von morgen aussehen?

  1. Stefanie

    Schöner Artikel. Ich bin eine Mischform. Suche Inspirationen im Netz – und lasse auf der Wanderung mein Smartphone aber gern zuhause (deswegen verlaufe ich mich vielleicht auch öfter mal; was gerade herrlich ist!) und nehme lieber nur einen Wanderführer mit.

  2. Jürgen Lange

    Hallo Alex, ich habe Deine Ausführungen über das Wandern in der Zukunft gelesen.

    Hier einige Überlegungen zum Thema wandern in der Zukunft aus der Sicht der älteren Generation:
    Bereits bekannte Wanderziele werden dadurch interessant, dass es dort etwas Neues zu entdecken gibt (Beispiel: Aussichtsplattform im Historisch-Technischen Museum Peenemünde)
    Folgende Dinge halte ich aber auch in der Zukunft für wichtig:
    Schaffung neuer Wanderziele als Anreiz zum Wandern.
    In der Nähe zu Wanderwegen gibt es öffentliche Verkehrsverbindungen. Damit kann man die Länge der Wanderung individuell einteilen.
    Um den Startpunkt, (analog Zwischenziele) einer Wanderung erreichen zu können, sollte es dort Parkplätze geben.
    An den Wanderwegen gibt es weitere Sehenswürdigkeiten, Rastplätze, gastronomische Einrichtungen mit Sanitäranlagen.
    Die Wanderwege sind gut ausgeschildert. Nicht jeder möchte / oder kann GPS oder Navi nutzen.
    Die Wanderwege werden gepflegt, und sind sicher.
    Trotz aller technischen Neuerungen wie GPS und Navi sollten wir den Umgang mit Karte und Kompass weiter beherrschen und üben. Nicht überall ist Netzempfang und Akkus werden leer.
    Als Anreiz für Kinder und Jugendliche könnte man z.B. den elektronischen „Stempel“ schaffen, den man an markanten Wanderpunkten erhalten kann und dann stolz auf dem Handy zeigen kann.
    Ich denke dass auch geführte Wanderungen mit einem Wanderführer eine Zukunft haben.
    Man wird geführt, auf wichtige Dinge aufmerksam gemacht und vor Gefahren gewarnt.

    Lieben Gruß
    Jürgen

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